Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 587816 times)

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #990 am: 10.01.2020 08:57 »
Gibt es denn hier auch Foristen, die als wichtigen Grund für eine Verlängerung der tariflichen Arbeitszeit anbringen, die Arbeit nicht zu schaffen? Erst dann ist die Argumentation konsistent.

Diese Denke herrscht hier scheinbar teils vor, und es ist erstaunlich, daß die Intelligenz der Tarifparteien bis in die kleinste Amtsstube wirkt; diese haben in ihrer göttlichen Weisheit mit 39 Wochenstunden genau den Zeitraum gefunden haben, in der die Arbeit in Klein-Muckelsdorf und Ober - Brämingen nebst eines kleinen Kaffeegedecks zu schaffen ist ;)

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #991 am: 10.01.2020 09:15 »
Und wie sieht deiner Meinung nach die Reaktion aus bei einer Reduzierung der AZ auf 35 Std. Von seitens AG und AN?
Frag diese Klientel der letzten 100 Jahre, was die so gemacht haben. Ich sehe eher die Erklärungspflicht bei Dir, warum ein natürlicher Prozess, also die Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit, der sehr viele Jahrzehnte anhält, auf einmal so ein Problem ist.

Das einzige was gilt, ist, daß jüngere Arbeitnehmer, die weniger als 40 oder 30 Jahre im Beruf sind, solche Änderungen schlicht nicht kennen.

Max

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #992 am: 10.01.2020 09:58 »
Es gibt bereits ein Recht auf Teilzeit. Dies sollten die Tarifparteien dahin gehend stärken,  dass der AG eine Verringerung der Arbeitszeit zu akzeptierten hat. Die Zeit sollte aber dann auch nicht mehr einseitig erhöht werden können, sondern die Teilzeit im Normalfall dauerhaft sein.

Warum einzelne hier mein Gehalt durch allgemeine Stundenreduzierung kürzen möchte, leuchtet mir nicht ein.


Kaffeetassensucher

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #993 am: 10.01.2020 10:05 »
Warum einzelne hier mein Gehalt durch allgemeine Stundenreduzierung kürzen möchte, leuchtet mir nicht ein.

Mir auch nicht. Aber wo möchte das hier denn einer?

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #994 am: 10.01.2020 10:08 »

Warum einzelne hier mein Gehalt durch allgemeine Stundenreduzierung kürzen möchte, leuchtet mir nicht ein.

Selbst wenn. Warum ist dein Gehalt jetzt genau in der Höhe, wo es passt. Gibt es keine Forderung deinerseits nach einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit? Es wäre schon sehr kurios, wenn die Tarifparteien - in ihrer großen Weisheit - gerade das individuell passende Gehalt für dich gefunden haben.

Preiset sie!

Kryne

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #995 am: 10.01.2020 10:59 »
Es gibt bereits ein Recht auf Teilzeit. Dies sollten die Tarifparteien dahin gehend stärken,  dass der AG eine Verringerung der Arbeitszeit zu akzeptierten hat. Die Zeit sollte aber dann auch nicht mehr einseitig erhöht werden können, sondern die Teilzeit im Normalfall dauerhaft sein.



"Recht auf Teilzeit" ist aktuell Schwachsinn. Bei uns werden diese Anträge immer! aus betrieblichen Gründen abgelehnt. Der AG begründet das bei uns auch sehr detailliert, auf dem Rechtsweg hat man da auch keine Chance. Stand jetzt.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass hier im Tarifvertrag ein Wünsch dir was für den AN umgesetzt wird.

Warum einzelne hier mein Gehalt durch allgemeine Stundenreduzierung kürzen möchte, leuchtet mir nicht ein.

Wer möchte das ?

Die meisten Vorschläge gingen in die Richtung der WAHLMÖGLICHKEIT, wie sie in vielen Branchen schon geschaffen wurde kürzlich.

Bin ich nach wie vor dafür, dass sowas kommen sollte. Jeder soll die Auswahl bekommen ob X% mehr Geld, X weniger Wochenstunden oder X Tage mehr Urlaub.

(X weniger Wochenstunden, war rechnerisch bei allen vergleichbaren Abschlüssen bisher immer die beste Option).

Kaffeetassensucher

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #996 am: 10.01.2020 11:30 »
Es gibt bereits ein Recht auf Teilzeit. Dies sollten die Tarifparteien dahin gehend stärken,  dass der AG eine Verringerung der Arbeitszeit zu akzeptierten hat. Die Zeit sollte aber dann auch nicht mehr einseitig erhöht werden können, sondern die Teilzeit im Normalfall dauerhaft sein.



"Recht auf Teilzeit" ist aktuell Schwachsinn. Bei uns werden diese Anträge immer! aus betrieblichen Gründen abgelehnt. Der AG begründet das bei uns auch sehr detailliert, auf dem Rechtsweg hat man da auch keine Chance. Stand jetzt.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass hier im Tarifvertrag ein Wünsch dir was für den AN umgesetzt wird.

Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Das Recht auf Teilzeit für den AN sollte gestärkt werden, da sehe ich so wie Max. Zugleich muss aber auch für den AG Planungs- und Betriebssicherheit gewährleistet sein. Da müsste man sich Mechanismen überlegen, die das für ihn abfangen. Zum Beispiel, dass genug Vorlaufzeit vorhanden sein muss, ehe man in Teilzeit gehen kann.

Warum einzelne hier mein Gehalt durch allgemeine Stundenreduzierung kürzen möchte, leuchtet mir nicht ein.

Wer möchte das ?

Die meisten Vorschläge gingen in die Richtung der WAHLMÖGLICHKEIT, wie sie in vielen Branchen schon geschaffen wurde kürzlich.

Bin ich nach wie vor dafür, dass sowas kommen sollte. Jeder soll die Auswahl bekommen ob X% mehr Geld, X weniger Wochenstunden oder X Tage mehr Urlaub.

(X weniger Wochenstunden, war rechnerisch bei allen vergleichbaren Abschlüssen bisher immer die beste Option).

Und auch die Diskussionen um die 6-Stunden-Tage, nur 4-Tage-Wochen etc. ergeben nur Sinn unter der Annahme von Lohnausgleich. Weniger Arbeitsstunden bei weniger Lohn kann man viel einfacher durch Teilzeit erreichen.

Ich jedenfalls will niemandem etwas von seinem Entgelt "wegnehmen". Ich will noch nicht mal jemandem weniger Wochenarbeitszeit "aufzwingen". Ich fände es für mich als AN aber attraktiv, wenn man das selber so für sich wählen könnte, wie es für einen selber am besten passt. Darauf aufbauend gilt es einen tragfähigen Kompromiss mit den AG zu finden.

Kat

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #997 am: 10.01.2020 11:55 »
Warum sollte es den AN scheren, daß unzufriedene Kunden bei ihm auftauchen? Wenn er sich damit auseinandersetzen muß, weil es zur auszuübenden Tätigkeit gehört, tut man das halt. Denn auch die Probleme irgendwelcher Kunden sind nicht die des AN. Diese dämliche „Oh, ich arbeite mit Menschen. Wenn ich nicht dies und das tue, passiert denen dieses oder jenes, das wäre ganz, ganz furchtbar“-Attitüde ist entweder krankhaft oder selbstverschuldet.

Es schert ihn insofern als dass er sich mit ihm auseinandersetzen muß, was Zeit und Nerven kostet. Das geht nicht immer freundlich von statten. Es geht nicht darum, was DENEN passiert sondern was MIR passiert, wenn so ein Mensch ausrastet und wie gesagt mir Zeit nimmt, die ich für was anderes brauche.  Für meine Nerven und meine Gesundheit ist es schonender, wenn ich eine halbe Stunde länger bleibe als mich mit den Leuten auseinanderzusetzen.

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #998 am: 10.01.2020 12:03 »
Es ist ja nicht Deine Zeit, es ist Arbeitszeit. Soll er doch „ausrasten“, dann läßt sich das Gespräch wenigstens zügig durch Polizeikräfte oder den Sicherheitsdienst beenden. Im übrigen reagieren die meisten Menschen eher apathisch, wenn man ihnen das völlige Desinteresse an deren persönlicher Situation hinreichend deutlich macht.

venue

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #999 am: 10.01.2020 12:41 »
Mir ist grad diesbezüglich eine Frage aufgekommen:

Wie würde man bei einem (unrealistischen) Tarif-Abschluss, der in Zukunft eine 30h-Woche vorsieht, mit Arbeitnehmern verfahren, die bereits jetzt 30h in Teilzeit arbeiten?

a) Sie arbeiten weiterhin 30h, bekommen aber wieder das volle Gehalt
b) Die Wochenarbeitszeit verringert sich auch hier nochmals um ca. 23% auf 23h

Gleiche Frage gilt dann natürlich auch für alle anderen Teilzeitmodelle... Vlt. ein Wahlmodell?

superbraz

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1000 am: 10.01.2020 12:50 »
Wie würde man bei einem (unrealistischen) Tarif-Abschluss, der in Zukunft eine 30h-Woche vorsieht, mit Arbeitnehmern verfahren, die bereits jetzt 30h in Teilzeit arbeiten?

a) Sie arbeiten weiterhin 30h, bekommen aber wieder das volle Gehalt
b) Die Wochenarbeitszeit verringert sich auch hier nochmals um ca. 23% auf 23h

ganz klar b!
wenn der AN mit 40h seine Arbeit in 23% weniger Zeit schaffen muss, dann muss der AN mit aktuell 30h dies auch!
Warum sollte der plötzlich zur "Vollzeitkraft" werden? Das wär dann ja auch ein Lohnzuwachs von 23%!

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1001 am: 10.01.2020 12:54 »
Natürlich a. Die meisten Teilzeitbeschäftigten dürften die Wahl aufgrund der Zeitplanung gewählt haben. Müssten die im Zweifelsfall eine Optionsmöglichkeit haben.

(b dürfte inhaltlich nicht funktionieren, da eine höhere Effizienz bei maximal sechs Stunden nicht möglich ist, will sagen, die schaffen ihre Arbeit nicht mehr)



WasDennNun

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« Antwort #1002 am: 10.01.2020 13:26 »
Natürlich a. Die meisten Teilzeitbeschäftigten dürften die Wahl aufgrund der Zeitplanung gewählt haben. Müssten die im Zweifelsfall eine Optionsmöglichkeit haben.

(b dürfte inhaltlich nicht funktionieren, da eine höhere Effizienz bei maximal sechs Stunden nicht möglich ist, will sagen, die schaffen ihre Arbeit nicht mehr)
Also ist das Modell für den AG bei Teilzeitkräften unattraktiv, er muss ja plötzlich wesentlich mehr für die gleiche Arbeitsleistung zahlen. 8)

WasDennNun

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« Antwort #1003 am: 10.01.2020 14:41 »
Ohne dass jetzt auch mir Sympathie mit Schwarzarbeitern vorgeworfen wird. 1790 € netto sind vermutlich irgendwas bei umgerechnet um 2500 € brutto. Klar, das ist nur E3 Niveau, reich ist man damit nicht. Aber jemand mit EG 8 bekommt dann auch "nur" 300-400 € mehr im Monat dafür, dass er dann 200 Stunden im Monat arbeiten geht, davon noch Fahrtkosten, Verpflegung auf der Arbeit, Schulbücher, Klassenfahrten usw. etc komplett selbst bezahlen darf.
Richtig, ein E3 Stufe 4 wäre da ein H4 Aufstocker und hätte nur ~200€ mehr zur Verfügung (und die gleichen "Vergünstigungen"). Lohnt es sich da zu arbeiten? Muss man selbst entscheiden?
Es ist in der Tat beschämend, dass die eigene Arbeitsleistung bei Menschen mit Familie nicht stärker angerechnet wird (Ein Lösung wäre pro Kind da einfach mal mehr Freibeträge einrechnen)
Zitat
Unser grundlegendes System (nicht nur im TVÖD) müsste eigentlich mal überarbeitet werden (was sowieso nicht geschehen wird!). Arbeiten "lohnt" sich fast schon nicht mehr, wenn man nicht gerade irgendwas "gutes" gelernt hat oder höher eingestuft ist, oder schlichtweg beide arbeiten gehen.
Als Einzelperson hat der E3s4 sage und schreibe 500-600€ oder 50% mehr (plus Rentenansprüche)  als der H4ler, ist dieser Abstand ausreichend?

Brownyy

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« Antwort #1004 am: 10.01.2020 15:02 »
Und wie sieht deiner Meinung nach die Reaktion aus bei einer Reduzierung der AZ auf 35 Std. Von seitens AG und AN?
Frag diese Klientel der letzten 100 Jahre, was die so gemacht haben. Ich sehe eher die Erklärungspflicht bei Dir, warum ein natürlicher Prozess, also die Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit, der sehr viele Jahrzehnte anhält, auf einmal so ein Problem ist.

Das einzige was gilt, ist, daß jüngere Arbeitnehmer, die weniger als 40 oder 30 Jahre im Beruf sind, solche Änderungen schlicht nicht kennen.

Wenn es denn tatsächlich so einfach ist, nehme ich dieses Konstrukt sehr gerne an.