Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 184867 times)

MrRossi

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1860 am: 02.09.2020 15:42 »
Selbstverständlich haben sie in Bezug auf die Entgelterhöhungen etwas ausgehandelt - und zwar dahingehend, als daß diese auf die Anwendung finden.
...und sich damit nur den Forderungen und Ergebnissen "der Verhandelnden" unterworfen" was aktuelle Verhandlungen angeht. Sie verhandeln nicht mehr über Ihre Erhöhungen, sind nicht mitbestimmend und haben also keinen Einfluss auf ihre Lohnentwicklung.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1861 am: 02.09.2020 15:48 »
Das brauchen sie auch nicht, denn sie haben ja vereinbart, das entsprechendes geschieht - und zwar ganz allein deshalb, weil sie das so verhandelt haben.

KeuleMS

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1862 am: 02.09.2020 15:49 »
Selbstverständlich haben sie den Arbeitsvertrag höchstselbst ausgehandelt. Der Arbeitsvertrag ist das Ergebnis von Verhandlungen der Parteien. Das gilt auch dann, wenn eine Partei das erste Angebot der anderen Partei annimmt.
Ich weiß, dass jetzt eh wieder ein Gegenargument kommt aber versuchen kann man es ja trotzdem ;D.
"Verhandlung ist eine Gesprächsform über einen kontroversen Sachverhalt, die durch gegensätzliche Interessen der Parteien gekennzeichnet ist und einen Interessenausgleich beziehungsweise eine Einigung zum Ziel hat."

In dem von mir angesprochenen Fällen war es also laut dieser Defintion keine Verhandlung, weil kein kontroverser Sachverhalt und keine gegensätzlichen Interessen. Es gab ein Angebot vom AG und die Annahme vom AN. Dieser geschlossene Vertrag berechtigt dann zur Forderung der Tarifergebnisse. So nun soll es das dazu aber auch gewesen sein. Das ist ja auch schon wieder Off Topic.
Naja SPID wird sicher noch was dazu schreiben wollen/ können/ müssen. ;D 8)

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1863 am: 02.09.2020 15:53 »
Dann ist es bei mir noch nicht durchgesickert.
Warum sie sich das vorhalten lassen weiß ich nicht und das ist dann ja auch deren Problem.

Für die gilt nicht der Abschluss, für die gilt, was sie höchstselbst verhandelt haben.
Sie haben nichts höchstselbst ausgehandelt. Sie haben einfach nur den gleichen Arbeitsvertrag unterschrieben.
Also ich habe auch einen Arbeitsvertrag unterschrieben in dem eine EG und Stufe vereinbarte wurde, musste allerdings dem AG dabei helfen, dass er da die Richtigen Zahlen einträgt und es sich für ihn TV konform anfühlt und da ich ja die Probleme der Beamtenkalkrieselgehirne in diesem Sektor kenne, hat es prima geklappt.

Organisator

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1864 am: 02.09.2020 15:57 »
Also ich habe auch einen Arbeitsvertrag unterschrieben in dem eine EG und Stufe vereinbarte wurde, musste allerdings dem AG dabei helfen, dass er da die Richtigen Zahlen einträgt und es sich für ihn TV konform anfühlt und da ich ja die Probleme der Beamtenkalkrieselgehirne in diesem Sektor kenne, hat es prima geklappt.

Stellt sich nur die Frage, ob man realistisch darüber hinaus verhandeln kann. Klar, wenn man z.B. gesuchter ITler ist gibt man seine Gehaltsvorstellung an und der AG macht dann eine passende Tätigkeit / Entgeltgruppe und eine passende Stufe daraus. An den TVöD und die Tarifrunden ist man dann aber dauerhaft gebunden.

Oder gibt es hier mehr als eine Person, deren Tätigkeit üblicherweise unter TVöD / EntgO fallen würde und die mehr (auch hinsichtlich der Gehaltssteigerungen) verhandelt hat?

MrRossi

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1865 am: 02.09.2020 15:57 »
Dann ist es bei mir noch nicht durchgesickert.
Warum sie sich das vorhalten lassen weiß ich nicht und das ist dann ja auch deren Problem.

Für die gilt nicht der Abschluss, für die gilt, was sie höchstselbst verhandelt haben.
Sie haben nichts höchstselbst ausgehandelt. Sie haben einfach nur den gleichen Arbeitsvertrag unterschrieben.
Also ich habe auch einen Arbeitsvertrag unterschrieben in dem eine EG und Stufe vereinbarte wurde, musste allerdings dem AG dabei helfen, dass er da die Richtigen Zahlen einträgt und es sich für ihn TV konform anfühlt und da ich ja die Probleme der Beamtenkalkrieselgehirne in diesem Sektor kenne, hat es prima geklappt.
Also losgelöst von der Tarifautomatik?

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1866 am: 02.09.2020 15:58 »
Selbstverständlich haben sie den Arbeitsvertrag höchstselbst ausgehandelt. Der Arbeitsvertrag ist das Ergebnis von Verhandlungen der Parteien. Das gilt auch dann, wenn eine Partei das erste Angebot der anderen Partei annimmt.
Ich weiß, dass jetzt eh wieder ein Gegenargument kommt aber versuchen kann man es ja trotzdem ;D.
"Verhandlung ist eine Gesprächsform über einen kontroversen Sachverhalt, die durch gegensätzliche Interessen der Parteien gekennzeichnet ist und einen Interessenausgleich beziehungsweise eine Einigung zum Ziel hat."

In dem von mir angesprochenen Fällen war es also laut dieser Defintion keine Verhandlung, weil kein kontroverser Sachverhalt und keine gegensätzlichen Interessen. Es gab ein Angebot vom AG und die Annahme vom AN. Dieser geschlossene Vertrag berechtigt dann zur Forderung der Tarifergebnisse. So nun soll es das dazu aber auch gewesen sein. Das ist ja auch schon wieder Off Topic.
Naja SPID wird sicher noch was dazu schreiben wollen/ können/ müssen. ;D 8)

Selbst wenn man diese Definition für irgendwie relevant hielte, sind die Interessen der Parteien bei Dienstverträgen einander entgegengesetzt und der geregelte Sachverhalt ist sehr wohl kontrovers.  Davon ab ist die Rechtsfolge sowohl von Gleichstellungsabreden als auch von Bezugnahmeklauseln von Dir völlig ungenügend dargestellt.

BAT

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1867 am: 02.09.2020 16:16 »

Oder gibt es hier mehr als eine Person, deren Tätigkeit üblicherweise unter TVöD / EntgO fallen würde und die mehr (auch hinsichtlich der Gehaltssteigerungen) verhandelt hat?

Ich habe meine Stufen zu Zeiten der "alten" E9 übertariflich mit dem AG ausgehandelt.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1868 am: 02.09.2020 16:30 »
Also losgelöst von der Tarifautomatik?
Nö, die Lohnsteigerungen sind inkludiert.

Otto1

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1869 am: 02.09.2020 16:31 »
Hier kann einem echt der Kopf platzen:

"Wenn wir in dieser Krise Löhne erhöhen, fehlt das Geld wieder an anderer Stelle, wie beispielsweise bei den Investitionen in die Bildung, Klima und Infrastruktur." https://www.vka.de/pressemitteilungen/2020-09-01-start-der-tarifrunde-fuer-den-oeffentlichen-dienst-verhandlungen-vertagt-946

DAS GELD IST DOCH DA. Seit 2019 stehen bspw. durch den Digitalpakt 5,5 Milliarden € bereit. Knapp über 100 Mio. € wurden ein Jahr später erst abgerufen! Im Bereich "Bau" sieht es noch dunkler aus. Da wurden über 100 Milliarden nicht abgerufen. Es fehlt schlichtweg das Personal.

Aber warum sollte man auch mehr als nen Apfel und nen Ei in den Bereichen zahlen, die auch im Bereich der freien Wirtschaft hart umkämpft sind? Bei uns werden die Ingenieure von der Baustelle weg abgeworben! Informatiker bekommen wir erst gar keine.  :'(

Da braucht der AG wohl Personal in den Kommunen, beim Land und Bund: https://www.deutschlandfunk.de/buerokratie-huerden-woran-der-digitalpakt-fuer-schulen-und.680.de.html?dram:article_id=483413

Laut Statista beträgt die Anzahl der Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland nach Schulart im Schuljahr 2018/2019: 773.280 (!). Die Bundesregierung hat nun beschlossen, dass jeder Lehrer ein Dienst-Laptop erhalten soll. Das checke ich sogar als Leihe, dass man für den Betrieb der Hard- und Software sowie Lernplattformen ganze Heerscharen von Administratoren und anderen Informatikern benötigt. Derweil hat die Schule meiner Söhne eine DSL 16er Leitung und nix geht voran. Für den Ausbau der "Datenleitung" seien noch bauliche Maßnahmen am Gebäude notwendig! Es ist echt zum verrückt werden.

Keine Ahnung was man da noch sagen soll. Raffen die es nicht?

Britta2

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1870 am: 02.09.2020 16:33 »
Bei uns wird nichts ausgehandelt. Wer aushandeln will, fliegt aus dem Bewerberstapel. Eingestellt wird vorsorglich auch nur mit "Befristung 1-2 Jahren, danach Option Entfristung". Oh Wunder, entweder kriecht man nach den 2 Jahren zu Kreuze und dankt, weil man nochmal 2 Jahre Befristung "geschenkt" bekommt oder darf gehen und die Stelle wird mit neuer Tätigkeitsbeschreibung wieder befristet ausgeschrieben. Ostbewerber.

WasDennNun

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« Antwort #1871 am: 02.09.2020 16:35 »
Stellt sich nur die Frage, ob man realistisch darüber hinaus verhandeln kann. Klar, wenn man z.B. gesuchter ITler ist gibt man seine Gehaltsvorstellung an und der AG macht dann eine passende Tätigkeit / Entgeltgruppe und eine passende Stufe daraus.
Eben. Nur das man dem AG oftmals dabei helfen muss, weil er zu dämliche Personaler hat.
Zitat
An den TVöD und die Tarifrunden ist man dann aber dauerhaft gebunden.
Nur solange man nicht nach verhandelt, wenn einem der Inflations-Ausgleich den die Tarifparteien aushandeln nicht mehr reicht.
z.B. einfach verabreden, dass man ne Stunde weniger arbeitet, schon hat man mehr Stundenlohn.

Otto1

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« Antwort #1872 am: 02.09.2020 16:39 »
Mal ganz interessant, die Pressemappe von Verdi zur Tarif- und Besoldungsrunde TVöD 2020:
https://www.verdi.de/++file++5f46657f3af1a9edf843038c/download/Pressemappe%20Tarifrunde%20TV%C3%B6D%202020.pdf


WasDennNun

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« Antwort #1873 am: 02.09.2020 16:40 »
Bei uns wird nichts ausgehandelt. Wer aushandeln will, fliegt aus dem Bewerberstapel. Eingestellt wird vorsorglich auch nur mit "Befristung 1-2 Jahren, danach Option Entfristung". Oh Wunder, entweder kriecht man nach den 2 Jahren zu Kreuze und dankt, weil man nochmal 2 Jahre Befristung "geschenkt" bekommt oder darf gehen und die Stelle wird mit neuer Tätigkeitsbeschreibung wieder befristet ausgeschrieben. Ostbewerber.
Vernünftig, wenn Angebot und Nachfrage es erlauben.
Ich (IT) war über 20 Jahre nur in befristeten Verträgen, weder ich noch einer meine vielen AGs sind je zu Kreuze gekrochen, war stets ein miteinander auf Augenhöhe.
Und bei einigen AGs hatte ich sogar mehrere Verträge ...

Organisator

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« Antwort #1874 am: 02.09.2020 16:48 »
z.B. einfach verabreden, dass man ne Stunde weniger arbeitet, schon hat man mehr Stundenlohn.

Ich kenne es halt so, wie du schriebst. Entgeltgruppe / Tätigkeit und Stufe verhandeln; ansonsten gilt der TVöD. In deinem Fall würde aber die im TVöD definierte regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit nicht gelten, sondern eine individuelle Absprache.

Mir ist kein Fall bekannt, wo die Geltung des TVöD oder Teile davon verabredet würden. Selbst die AT-ler sind bis auf die Höhe des Entgelts ansonsten innerhalb der TVöD-Regelungen.

Von daher stellt sich mir die Frage, wie realistisch für den normalen Mitarbeiter eine Verhandlung ist, die über die Regelungen des TVöD hinausgeht bzw. bestimmte Teile außer Kraft setzt.

Welcher öffentliche Arbeitgeber würde denn "E xx ist in Ordnung, dann aber bitte Stufe 6, 35 Wochenstunden und jährliche Entgelterhöhungen von 4 %" vereinbaren?