Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 566683 times)

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6030 am: 07.10.2020 13:57 »
Nur weil "Pilotprojekt" draufsteht, muß es ja keines sein. So ist es auch hier. Die Initiatoren haben nach eigener Erklärung zum Ziel, daß staatlicherseits eine als "Bedingungsloses Grundeinkommen" bezeichnete Leistung eingeführt wird. Ein Pilotprojekt wäre es vor diesem Hintergrund, wenn staatlicherseits diese Leistung einem wie auch immer ausgewählten Personenkreis zuteil würde und dies dann eine Auswertung erführe. Das ist aber gerade nicht der Fall. Eine private Organisation will privat, überwiegend über das Crowdfunding eingeworbene Mittel an ausgewählte Personen auszahlen und die Wirkung dieser Zahlung in einer Studie untersuchen - mutmaßlich mit der Hoffnung, daß die Ergebnisse die eigene Argumentation stützen

FGL

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6031 am: 07.10.2020 14:03 »
Doch, gibt es. Und jetzt Gott sei Dank mal als Pilotprojekt, was zu hoffentlich validen Daten auf wissenschaftlicher Basis führt. So kann man nämlich vielleicht mal von dieser Ideologie beladenen (Scheißhaus)Diskussion zur Sachebene kommen.
Solange die umverteilten Mittel immer von außen kommen und nicht innerhalb des "Pilotprojekts" selbst erwirtschaftet werden (müssen), ist die Aussagekraft solche Versuche bezüglich einer bundesweiten Umsetzung, insbesondere was eine solide Finanzierbarkeit angeht, nahe null.

Wdd3

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6032 am: 07.10.2020 14:31 »
Das Erwirtschaftendes Geldes ist kein Teil der Studie. Es soll bewiesen werden das die Menschen trotz des zusätzlichen Geldes weiterhin vollumfänglich die bisherige Argumentation der Auftraggeber stützen. Dies ist m. E. sehr wahrscheinlich da die Zahlungen zum Ende der Studie ausbleiben.
In der Realität würde das "Bedingungsloses Grundeinkommen", gerade bei den unteren Einkommensklassen zwischen Mindestlohn und E4, zu vermehrter Einstellung der Arbeit führen. Das wiederum bringt Steuerausfälle mit sich die bei der Finanzierung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht berücksichtigt werden.
Trotzdem möchte ich sehen wie viele von euch die jetzt dagegen wettern, im Falle einer Umsetzung sagen:"Ach nee, lass mal, ich sehe da keine solide finanzielle Grundlage, ich verzichte auf die Auszahlung. Das auf der Grundlage das gerade in diesem Unterforum regelmäßig argumentiert wird als wenn Geld im Überfluss vorhanden ist.
   

FGL

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6033 am: 07.10.2020 14:38 »
Trotzdem möchte ich sehen wie viele von euch die jetzt dagegen wettern, im Falle einer Umsetzung sagen:"Ach nee, lass mal, ich sehe da keine solide finanzielle Grundlage, ich verzichte auf die Auszahlung. Das auf der Grundlage das gerade in diesem Unterforum regelmäßig argumentiert wird als wenn Geld im Überfluss vorhanden ist.
Hat das denn irgendjemand angekündigt? Sollte ein BGE zur Abstimmung stehen, werde ich aufgrund der unsoliden Finanzierung mit "Nein" stimmen. Wenn es trotzdem eingeführt werden sollte, nehme ich natürlich mit was geht. Meine Konsequenz wäre nur, meinen Job nicht aufzugeben, weil das System eher früher als später rückabgewickelt werden würde.

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6034 am: 07.10.2020 14:39 »
Solange die umverteilten Mittel immer von außen kommen und nicht innerhalb des "Pilotprojekts" selbst erwirtschaftet werden (müssen), ist die Aussagekraft solche Versuche bezüglich einer bundesweiten Umsetzung, insbesondere was eine solide Finanzierbarkeit angeht, nahe null.
Dem möcht ich nicht widersprechen, insbesondere was Finanzierbarkeit angeht. Bin auch nicht nah am Thema dran, meine aber die Auswirkungen auf Erwerbstätigkeit, Zeitverwendung,  Konsumverhalten und Gesundheit sind die Studienschwerpunkte. Es ist ja zumindest mal ein Anfang...

FGL

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6035 am: 07.10.2020 14:45 »
Auch hinsichtlich Themen wie Erwerbstätigkeit usw. zweifle ich an der Aussagekraft. Wenn ich weiß, dass Milch und Honig nur drei Jahre lang fließen, richte ich mich anders ein, als wenn die Mittel bis an mein Lebensende kommen.

Wdd3

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6036 am: 07.10.2020 14:50 »
Unsere Preise werden von der Marktwirtschaft gesteuert. Wenn Geld vorhanden ist steigen die Preise. Binnen kurzer Zeit wird das zusätzliche Geld essentiell.

FGL

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6037 am: 07.10.2020 14:58 »
Eines der erklärten Motive von BGE-Jüngern ist ja, dass Arbeitgeber bessere Konditionen (in der Regel gleichbeutend mit deutlich höheren Löhnen) bieten müssten, wenn der Lebensunterhalt bereits durch das BGE gesichert ist. Deutlich höhere Löhne bedeuten für den Unternehmer aber eben auch deutlich höhere Gestehungskosten, was zu höheren Preisen führt - und die Kaufkraft des BGE beeinträchtigt.

Wdd3

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6038 am: 07.10.2020 15:02 »
Was zu höheren Steuereinnahmen führt. Die sind dann auch notwendig um zusätzliche Sozialleistungen  8) für Bedürftige zu zahlen.

DiVO

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6039 am: 07.10.2020 15:04 »
Das Erwirtschaftendes Geldes ist kein Teil der Studie. Es soll bewiesen werden das die Menschen trotz des zusätzlichen Geldes weiterhin vollumfänglich die bisherige Argumentation der Auftraggeber stützen. Dies ist m. E. sehr wahrscheinlich da die Zahlungen zum Ende der Studie ausbleiben.
In der Realität würde das "Bedingungsloses Grundeinkommen", gerade bei den unteren Einkommensklassen zwischen Mindestlohn und E4, zu vermehrter Einstellung der Arbeit führen. Das wiederum bringt Steuerausfälle mit sich die bei der Finanzierung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht berücksichtigt werden.

Wieso bist du der Ansicht, dass dies bei Personen, die zwischen Mindestlohn und E4 verdienen zu Steuerausfällen führen sollte? Dieser Personenkreis zahlt aus meiner Sicht kaum Einkommenssteuer, dafür verwenden sie aber häufig das ihnen zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen komplett für Konsum - und der wird unabhängig vom Einkommen mit 7 bzw. 19 % besteuert. Gerade bei diesen Einkommensgruppen ändert sich bei einem bedingungslosen Grundeinkommen an der Steuerlast null.

Wdd3

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6040 am: 07.10.2020 15:06 »
Super, dann ist die Finanzierung ja gesichert. :)

FGL

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6041 am: 07.10.2020 15:09 »
Man sollte sich nicht der Illusion eines finanziellen Perpetuum mobile hingeben. Die Effekte des BGE gleichen seine Kosten nicht aus. Ein BGE auf "Hartz IV"-Niveau würde bereits knapp 1 Billion Euro jährlich kosten. Davon kann nicht einmal die Hälfte durch wegfallende Sozialleistungen kompensiert werden, da ja auch nur solche Leistungen wegfallen können, die zweckidentisch sind, also dem Lebensunterhalt dienen. Die gegenwärtigen Verwaltungskosten werden von den BGE-Jüngern chronisch überschätzt; in schlecht informierten arbeitslosen Kreisen heißt es durchaus mal, allein die Abschaffung von "Hartz IV" würde ein BGE locker gegenfinanzieren.

Sozialarbeiter

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6042 am: 07.10.2020 17:48 »
Gerade bei Mindestlohn bis E 4 würde ich keine Einstellung der Arbeit vermuten. Geringverdienende Arbeit würde sich dadurch doch eher wieder mehr lohnen? Jetzt bekommt man Regelsatz + Miete so um die 1.000€? Bei einem Mindestlohnjob hat man etwa 1500 Brutto und 1150 Netto. Also arbeitet man den ganzen Monat um am Ende 150€ mehr zu haben. Beim BGE soll das Geld ja nicht verrechnet werden, anders als bei Hartz IV. Das heißt, man hätte für den Monat Arbeit deutlich höhere Einkommenszuwächse. Anpassungen im Steuersystem würden wahrscheinlich eh andere Einkommensgruppen treffen.

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6043 am: 07.10.2020 17:51 »
Die Produktivität im Lande würde stark nachlassen. Gerade die älteren, saturierten Semester im Berufsleben würden millionenfach auf Teilzeit gehen.

Das Ende des Landes wäre des BGE. Es sei denn, man könnte ganz neu anfangen. Aber an einem bestehenden System ist das deplatziert.

RisikoNRW

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #6044 am: 07.10.2020 18:15 »
Die Produktivität im Lande würde stark nachlassen. Gerade die älteren, saturierten Semester im Berufsleben würden millionenfach auf Teilzeit gehen.

Nein, denn Produktivität ist das Verhältnis von Output zu Input. Damit bleibt die Produktivität bei Arbeitszeitreduzierung grundsätzlich erst einmal identisch. Studien besagen allerdings, dass die Produktivität bei Reduzierung von Arbeitszeit durchaus sogar steigt.

Was du meinst, betrifft daher eher die "Totale Produktivität", sprich die Summe des Outputs, das geht dann so in Richtung des BIP. Da wäre ich dann bei dir, bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich den massiven Effekt hat, wie du darstellst.