Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 509795 times)

AndreasG

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #810 am: 06.07.2020 09:19 »
Absolut richtig. Das, was man eben in der Uni auch gelernt haben sollte ist: Effektives und schnelles aneignen von neuen Sachverhalten.
Und das bitte schön selbstständig und nicht aufgeben, wenn man bei der ersten Suche kein passendes Youtube Video erscheint.

Ich kann aus meiner beruflichen Erfahrung von daher sehr deutlich erkennen, wer auf Diplom Niveau arbeitet und wer nur auf FI/BSC
(Und ja, es gibt FIler/BSCler die auf Diplom Niveau unterwegs sind und deswegen ja auch gerne die E13+ bekommen können.)

Und genau das ist auch der Grund für die Gehaltsunterschiede zwischen Akademikern und FIs in der fW.

Bei der SAP bekommst du ohne mindestens einen Bachelor noch nicht mal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Dabei sagen dort die Personalverantwortlichen selbst dass die Studieninhalte für sie zweitrangig sind. Da werden auch Physiker (und ich kenne auch eine Philosophin die dort Software entwickelt...) als Programmierer eingestellt.  Was im Studium gelernt wurde spielt da keine große Rolle da auf die Einstellung eh ein Training on the Job folgt.
Was dort zählt ist die nachgewiesene Befähigung sich eigenständig in komplexe Sachverhalte einarbeiten zu können.

Der Akademiker hat das unter Beweis gestellt.

Das bedeutet nicht dass es nicht auch unter den FIern Kandidaten gibt die diese Fähigkeiten mitbringen aber aus welchen Gründen auch immer kein Studium absolviert haben.
Nur dürfte deren Anteil an der Gesamtheit der FIs relativ gering sein. Denn aus den Gehaltsunterschieden wird so gut wie jeder der das Zeug dazu hat mindestens einen Bachelor machen. Einfach um das höhere Gehalt mitzunehmen.

Kryne

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #811 am: 06.07.2020 09:49 »
Im Bereich Informatik absolut falsch.
Insbesondere erlebe ich immer wieder wie die nicht "wiss." Ausgebildeten einen groben Mangel im schnelle Erfassen von komplexen Sachverhalten haben. Und vom fehlendem Abstraktionsvermögen will ich nicht reden.

Ok da habe ich mich für Informatik vielleicht etwas zu sehr aus dem Fenster gelehnt. Kann ich nicht wirklich einschätzen. Für mich sind sowas allerdings persönliche Skills, die ein Studium auch nicht wirklich vermitteln kann.

Entweder habe ich genug Köpfchen um komplexe Sachverhalte schnell erfassen zu können oder nicht.

Hier hat das Studium ja auch eine gewisse Filterwirkung.

Je nach Hochschule oder Uni kann ein Bachelor aber auch besser Filtern als ein Diplom früher. Beim Bachelor steht man mehr unter Zeitdruck als bei einem Diplom früher. Kann man aber nicht verallgemeinert, das kommt halt wirklich spezifisch auf Hochschule und Studiengang an.

Zitat
Ebenso so falsch:
Das Diplom Studium vermittelt einem einem genau das: Neue Problem schnell und durchdringend zu erfassen und Lösungen zu finden, die es vorher so noch nicht gab.

Sehe ich anders. Auch das ist für mich eher eine Fähigkeit die man hat oder eben nicht. Ein Studium kann diese Fähigkeit zwar verbessern, aber nicht verleihen.

Ich denke das hat ganz viel mit dem Studiengang und dessen Inhalt zutun und ist nichts was man allgemein für Bachelor oder Diplom festhalten könnte.


 

Schokobon

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #812 am: 06.07.2020 10:23 »
Also ich höre aus meiner IT immer nur "keine Ahnung, muss ich mir mal anschauen" und Monate später hat es eine Fremdfirma gefixt.
Aber Hauptsache es wird permanent gedroht in die pW abzuwandern, wo diese "Fachkräfte" ja händeringend gesucht werden. Komisch, dass von den Jungs aus der IT noch kein einziger woanders untergekommen ist  ::)

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #813 am: 06.07.2020 10:34 »
Wer mit Peanuts bezahlt, muss mit Affen arbeiten

Schokobon

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« Antwort #814 am: 06.07.2020 10:40 »
Zustimmung.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #815 am: 06.07.2020 10:52 »
Entweder habe ich genug Köpfchen um komplexe Sachverhalte schnell erfassen zu können oder nicht.

Hier hat das Studium ja auch eine gewisse Filterwirkung.
Hatte würde ich eher sagen, denn jetzt wo ja jeder eine Abi schafft mit min ne 2 vorne, so wird jeder durch das BSC getrieben und es wird nicht mehr gesiebt.

Und ja, natürlich verleit eine Ausbildung - welcher Art - einem nicht grundlegend neue Fähigkeiten, sondern man lernt nur seine Fähigkeiten besser zu nutzen.

AndreasG

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #816 am: 06.07.2020 11:03 »
Hatte würde ich eher sagen, denn jetzt wo ja jeder eine Abi schafft mit min ne 2 vorne, so wird jeder durch das BSC getrieben und es wird nicht mehr gesiebt.

 ::) Naja

Bei der Uni hier vor Ort gibt es im Informatikstudiengang ein Mathepflichtmodul mit einer Durchfallquote von über 90%

Dan der FH in der Nähe schaffen gerade einmal 20% das Grundstudium...

Von "wurde" kann da keine Rede sein.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #817 am: 06.07.2020 11:23 »
Bei der Uni hier vor Ort gibt es im Informatikstudiengang ein Mathepflichtmodul mit einer Durchfallquote von über 90%
Der üblich Schuss vorm Bug, sprich beim ersten Durchgang, nehme ich an.
Oder willst du behaupten, dass die Abbrecherquote bei über 90% bei eurer Uni liegt?
Von 2011 - 2018 stieg die Anzahl der Studienanfänger um rund 50% und die Anzahl der Absolventen auch.
Und ja die Abbrecherquote ist weiterhin bei ca. 50%.
Insofern wird natürlich weiterhin gefiltert, allerdings ist mir aus Unikreisen bekannt, dass die Dozenten dazu angehalten werden ein Mindestmaß an Studenten durchzulassen.

Kryne

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #818 am: 06.07.2020 12:42 »
Also bei mir gab es eine Abbrecherquote von ca. 70%. Der Großteil davon war nach dem 2. Semester weg damals.

Das Problem ist denke ich nicht, dass der Bachelor so viel "schlechter" oder "einfacher" als das Diplom ist, sondern dass Heute einfach viel mehr Leute studieren wollen / müssen, weil sie es von klein auf eingetrichtert bekommen.

Und welchen Studiengang nimmt dann einer der eigentlich garnicht geeignet ist fürs Studium ? BWL, Informatik oder "Irgendwas mit Medien". Das können dann in der Tat die Felder sein, wo neben dem Weizen auch noch viel Spreu mit durch den Filter kommt. 

Die heutigen Eltern zwingen ihre Kinder doch zu einem Studienabschluss. Wenn es in der Schule nicht klappt, wird dort Notfalls das Abi mittels Anwalt durchgeboxt.

Keeper83

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #819 am: 06.07.2020 13:37 »

Der Bachelor ist keine "schulische Ausbildung" sondern ein Hochschulabschluss.


Aber leider in vielen Fällen seit 2010 mit den Schulischen Ausbildungen vergleichbar; unzureichend ausgebildet und zugleich bornierte Produkte welche da abfallen ...

Seit wann bietet das CJD Fachinformatik Ausbildungen an? Das ist mir neu :D

Die Diskussion Bachelor/Diplom hatten wir ja schon ein paar mal. Als jemand der an seiner Hochschule im ersten Bachelorjahrgang nach dem Diplom war, möchte ich zumindest diese Pauschalität nochmals entkräften. Der einzige Unterschied zu den "Diplomern" vor uns war, dass wir die gleichen Inhalte in 6 statt 8 Semestern leisten sollten. Bei verkürzter Praxisphase, aber doppelt so vielen Klausuren. (Bauingenieur)     

ITFrau

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #820 am: 06.07.2020 14:20 »

Der Bachelor ist keine "schulische Ausbildung" sondern ein Hochschulabschluss.


Aber leider in vielen Fällen seit 2010 mit den Schulischen Ausbildungen vergleichbar; unzureichend ausgebildet und zugleich bornierte Produkte welche da abfallen ...

Seit wann bietet das CJD Fachinformatik Ausbildungen an? Das ist mir neu :D

Die Diskussion Bachelor/Diplom hatten wir ja schon ein paar mal. Als jemand der an seiner Hochschule im ersten Bachelorjahrgang nach dem Diplom war, möchte ich zumindest diese Pauschalität nochmals entkräften. Der einzige Unterschied zu den "Diplomern" vor uns war, dass wir die gleichen Inhalte in 6 statt 8 Semestern leisten sollten. Bei verkürzter Praxisphase, aber doppelt so vielen Klausuren. (Bauingenieur)     
Dem kann ich zustimmen. Bei mir war es nur der erste BWL Jahrgang. Wir haben sogar die Skripte von den Diplomstudiengängen erhalten und sollten das Diplom durchstreichen und durch Bachelor ersetzen. Lockeres Studi-Leben war bei uns jedenfalls nicht. Ich habe mich damals darüber geärgert, dass der Bachelor immer keine Anerkennung findet und daher beide Studiengänge verglichen. Daher ärger ich mich über so Aussagen wie "abgebrochenes Studium" oder kein richtiges Studium enorm.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #821 am: 06.07.2020 15:17 »
Also bei mir gab es eine Abbrecherquote von ca. 70%. Der Großteil davon war nach dem 2. Semester weg damals.

Das Problem ist denke ich nicht, dass der Bachelor so viel "schlechter" oder "einfacher" als das Diplom ist, sondern dass Heute einfach viel mehr Leute studieren wollen / müssen, weil sie es von klein auf eingetrichtert bekommen.

Und welchen Studiengang nimmt dann einer der eigentlich garnicht geeignet ist fürs Studium ? BWL, Informatik oder "Irgendwas mit Medien". Das können dann in der Tat die Felder sein, wo neben dem Weizen auch noch viel Spreu mit durch den Filter kommt. 

Die heutigen Eltern zwingen ihre Kinder doch zu einem Studienabschluss. Wenn es in der Schule nicht klappt, wird dort Notfalls das Abi mittels Anwalt durchgeboxt.
Das ist durchaus zutreffend.
Als ehemalige Dozent konnte ich Phasen beobachten, wo die Studenten sich für Informatik entschieden haben, weil sie glaubten damit können man viel Geld verdienen.
Das sie aber von ihren Fähigkeiten und Neigungen nicht unbedingt dazu geeignet waren, haben wir versucht dieses im ersten Semester deutlich werden zulassen.
(Und dabei ging es bei uns nicht darum sie in Mathe rauszupunkten)

WasDennNun

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« Antwort #822 am: 06.07.2020 15:20 »
Die Diskussion Bachelor/Diplom hatten wir ja schon ein paar mal. Als jemand der an seiner Hochschule im ersten Bachelorjahrgang nach dem Diplom war, möchte ich zumindest diese Pauschalität nochmals entkräften. Der einzige Unterschied zu den "Diplomern" vor uns war, dass wir die gleichen Inhalte in 6 statt 8 Semestern leisten sollten. Bei verkürzter Praxisphase, aber doppelt so vielen Klausuren. (Bauingenieur)     
Und hast du dir die jetzigen BSC Studiengänge mal angeschaut?
Am Anfang haben ja fast alle Uni vollkommen versagt, weil sie nicht zeitig genug sich mit dem BSC beschäftigt haben.
Und dann wurde einfach mal das alte Diplom bisserl umgestrickt und .....

WasDennNun

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« Antwort #823 am: 06.07.2020 15:26 »
Dem kann ich zustimmen. Bei mir war es nur der erste BWL Jahrgang. Wir haben sogar die Skripte von den Diplomstudiengängen erhalten und sollten das Diplom durchstreichen und durch Bachelor ersetzen. Lockeres Studi-Leben war bei uns jedenfalls nicht. Ich habe mich damals darüber geärgert, dass der Bachelor immer keine Anerkennung findet und daher beide Studiengänge verglichen. Daher ärger ich mich über so Aussagen wie "abgebrochenes Studium" oder kein richtiges Studium enorm.
Richtig, es ist halt ein Studium (mit Ausbildungscharakter), aber halt kein wiss. Studium.
Vor BSC war es ja so, dass man 4 Semester die Grundlagen verschuld eingeprügelt bekommen hat und ab dem Vordiplom man eine mehr wissenschaftliche ausgerichtete Ausbildung hatte, inkl. gefühlt ein grösseren Freiraum bzgl. der Ausrichtungen.
Das wird jetzt auf 6 Semester erledigt, hat den Vorteil, dass man dann einen Abschluss hat. Danach geht es "erst" los mit der wiss. HB.


Spid

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« Antwort #824 am: 06.07.2020 15:32 »
Es führt lediglich nicht zu einem wissenschaftlichen Hochschulabschluss im Tarifsinne. Insbesondere im Fachhochschulbereich gibt es viele Bachelor-Studiengänge, die ihren Fokus aid Wissensvermittlung legen. An Universitäten hingegen gibt es viele Studiengänge, die ihren Schwerpunkt auf Methoden- und Forschungskompetenz legen.