Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 509786 times)

Stonie

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #780 am: 05.07.2020 08:22 »
Nun ist es aber so, dass in der fW ein Akademiker und sei es nur die Durchschnittsbachelorette für die gleiche Tätigkeit durchschnittlich ein 10% bis 20% höheres Gehalt bekommt.

Und auch das finde ich angemessen da das durchschnittliche Qualifikationsniveau eines Akademikers nunmal über dem einer Person mit einer 3 jährigen Ausbildung liegt


Je öfter ich diese Aussage von immer mehr Menschen lese umsomehr muss ich an deren Intelligenz zweifeln.

Ein Bachelor ist der erste berufsbefähigende Abschluss das ist kein Dipl Ing mehr. Das ist eine 3 jährige schulische Ausbildung.

Es ist die oft herabgewürdigte duale Ausbildung die Deutschland groß gemacht hat, um die Deutschland weltweit beneidet wird.

Über den Bachelor und die Abschaffung des Dipl Ing wird international nur der Kopf geschüttelt.

Spid

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« Antwort #781 am: 05.07.2020 09:33 »
Kohle und Stahl haben Deutschland auch groß gemacht. Sozialromantische Betrachtungsweisen sind ebenso ohne Wert wie die absurde Vorstellung, die Welt würde unsere Überformalisierung von Vocational Training bewundern oder unsere Anpassung des Studiensystems an den internationalen Standard nicht verstehen.

Stonie

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« Antwort #782 am: 05.07.2020 09:52 »
Ich habe viele fertig ausgelernte und fertig studierte Bachelor  Absolventen gerade im IT Bereich erleben dürfen.

Will man eine Heizung ersetzen nimmt man frische Hochschulabsolventen die produzieren das erste Jahr nur heiße Luft, will man etwas erreichen ist ein gerade fertig gewordener FI absolut überlegen.

Natürlich amortisiert sich der Vorteil der Ausbildung. Das ist keine Sozialromantik sondern gelebte Praxis.

Abet keine Angst wir schaffen es die duale Ausbildung genauso zugrunde zu richten wie den Dipl Ing

Spid

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« Antwort #783 am: 05.07.2020 10:02 »
Nun, Dein höchst subjektives Empfinden fußt darauf, daß man im öD aufgrund des unzureichenden Entgelts lediglich den Bodensatz der Bachelorabsolventen abgreifen kann, während man im Bereich von Tätigkeiten, die auf einer Berufsausbildung aufbauen, ganz ordentlich bezahlt. Davon ab ist ein AG, der nicht nur vereinzelt aufgrund individueller Befähigung massenhaft Akademiker und Berufsausgebildete für dieselben Tätigkeiten einsetzt, eher das Problem. Wenn ich mein Auto reparieren lasse, nehme ich einen Kfz-Mechatroniker und keinen Maschinrnbauingenieur, wenn ich eine Brücke planen möchte, nehme ich keinen Maurer, sondern einen Bauingenieur.

Otto1

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« Antwort #784 am: 05.07.2020 10:04 »
Und wie beheben die AG nun das Problem, dass im technischen Bereich kaum einer in den öD will? Techniker oder Bauzeichner oder Ingenieure bekommt man jedenfalls auch nur ähnlich gut wie einen Informatiker...

Stonie

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« Antwort #785 am: 05.07.2020 10:12 »
Tja Werter Spid,
Ich habe 10 Jahre freie Wirtschaft und 10 Jahre öffentlicher Dienst hinter mir. Bachelor bleibt Bachelor und ausgelernt bleibt ausgelernt.

Ein Masterstudium ist was anderes das Vergleiche ich aber auch nicht mit einer 3 jährigen Ausbildung.

Und das kaputte Auto bringt man nicht zum Kfz-Mechatroniker, sondern zum Kfz-Mechatroniker Meister ein Geselle darf zwar Bremsen einbauen, abnehmen muss es aber ein Meister. Bezahlt wird übrigens nach Meisterstunden auch wenn es der Azubi oder der Geselle gemacht hat.

Stonie

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« Antwort #786 am: 05.07.2020 10:19 »
Und wie beheben die AG nun das Problem, dass im technischen Bereich kaum einer in den öD will? Techniker oder Bauzeichner oder Ingenieure bekommt man jedenfalls auch nur ähnlich gut wie einen Informatiker...

Z.B. durch das abschaffen der willkürlichen Abschlussgrenze, gut das machen gute AG schon.

Mit der Vergütung in der FW wird der öD nie mithalten können, also dafür sorgen das zumindest der Abstand nicht noch größer wird.

Die Stärke des öD wären weiche Faktoren, z.B. eigene Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. eine Bevorzugung bei kommunalen Einrichtungen.

Attraktive Arbeitszeitmodelle
Attraktive Lebensarbeitszeitmodelle
Weg von den aktuellen Stufenlaufzeiten 1-2 Jahre pro Stufe reichen absolut aus.
Unbefristete stellen und nicht von 2 Jahren befristet über 5 Elternzeit Vertretungen in die Arbeitslosigkeit.

Und flächendeckend Verbeamtung bei Entlohnung nach Leistung nicht nach Abschluss.

Spid

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« Antwort #787 am: 05.07.2020 10:30 »
Da der Bolognaprozess erst 2010 abgeschlossen war, sind Deine diesbezüglichen Erfahrungen in der „freien Wirtschaft“ - was auch immer das sein soll, Transnistrien vielleicht - mithin also ohne jeden Wert. Was Du vergleichst oder nicht ist dahingehend also weitgehend unbeachtlich. Auch Deine Einlassungen zur Kfz-Reparatur gehen an der Sache vorbei.

Es gibt keine willkürliche Abschlußgrenze, da ist jeder AG seines Glückes Schmied. TB sind entsprechend ihrer nicht nur vorübergehend auszuübenden Tätigkeit eingruppiert und haben den daraus resultierenden Vergütungsanspruch. Kinderbetreuung wäre nun beim besten Willen kein Alleinstellungsmerkmal des öD - und wirkt auch nur ein paar Jahre als Pull-Faktor. Verbeamtung wäre ein solches - wirkt aber auch nur auf Menschen, die das in irgendeiner Form für erstrebenswert halten - was häufig auch kein individuelles Qualitätsmerkmal ist.

Tagelöhner

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« Antwort #788 am: 05.07.2020 10:39 »
@ Stonie

Um hier mal eine Lanze für so manche Bachelorabsolventen zu brechen: Es gibt Bachelor-Studiengänge im Ingenieurbereich, die nach 7 Semestern Regelstudienzeit beendet sind. Frühere Diplom-Abschlüsse an diesen Fachhochschulen waren nach 8 Semestern Regelstudienzeit zu Ende. Wer um die Inhalte dieses einzelnen zusätzlichen Semesters im früheren Diplomstudiengang weiß, kann über Ihre pauschale Darstellung nur müde lächeln. Frühere Diplom-Abschlüsse an Universitäten sind von dieser Betrachtung natürlich ausgenommen.

Auf 7-semestrige Bachelorstudiengänge folgen in der Regel 3-semestrige Masterstudiengänge, die gemäß Ihrer Darstellung, erst aus einer "schulischen Ausbildung" ein vollwertiges und anzuerkennendes Studium machen.

Wahrscheinlich gehen gleich wieder die Diskussionen über den DQR los und es wird über die angebliche Vergleichbarkeit von Qualifikationen schwadroniert. Dann fühlt sich wieder so mancher frische Meister oder Techniker benachteiligt, der viel Geld (explizit oder implizit durch Verdienstausfall) in seine Weiterbildung gesteckt und den Werbeversprechen seines Fortbildungsträgers geglaubt hat.

Ich hol' dann glaub mal das Popcorn raus...

Flächendeckende Verbeamtung ist auch ein schlechter Witz. Der besondere auf Lebenszeit angelegte Status, ist sinnvollerweise nur bei tatsächlich wichtigen und hoheitlichen Aufgaben des Staates notwendig, also insbesondere judikativer oder exekutiver Natur. Ansonsten habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass es sich um einen totalen Fehlanreiz für so manchen Minderleister handelt. Einmal im System lockt schließlich ein Leben lang die "Rundumsorgloshängematte", was nicht unbedingt nur ein Anreiz für wirkliche Leistungsträger ist.

Stonie

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« Antwort #789 am: 05.07.2020 11:00 »
@ Spid
@ Tagelöhner

Dann machen sie bessere Vorschläge.

Und ja Kinderbetreuung ist kein Alleinstellungsmerkmal aber ein pull Effekt für 5 Jahre.

Man kann es auch mit kommunalen Wohnungen zu entsprechend günstigen Mietpreisen für angestellte versuchen.

Klar ist das der öD meiner Meinung nach mit seinem Tafelsilber ARBEITEN muss den mit Geld wird er nicht mithalten können. Vor allem nicht der kommunale beim Bund mag das anders sein, immerhin war der Bund bereit eine Einmalzahlung für wine Verschiebung der Verhandlungen zu zahlen....

WasDennNun

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« Antwort #790 am: 05.07.2020 11:02 »
Blöd nur wenn sich gern selbst lobend:  Tatsache ist und bleibt, dass vorwiegend Durchschnitt statt die wirklich best ausgebildeten Köpfe im ÖD landen. Weil Arbeitgeber lieber Durchschnitt wollen, der sich an die Stelle klammert und gern unbezahlt Mehrarbeit leistet und mit jedem gegönnten Cent zufrieden ist. Kluge Köpfe dagegen sind in der Lage Forderungen zu stellen und problemlos deutlich besser bezahlt Karriere in der Wirtschaft zu machen.
Bei uns gabs tatsächlich wiederholt die stumme Weisung, ausgeschriebene Stellen auf keinen Fall dem besten Bewerber zu geben. Genau darum.
So eine Anweisung gibt es bei uns nicht und uns ist auch klar, dass wir in nicht alle AN für uns gewinnen können, aufgrund des Gehaltes.
Durchschnitt ist es aber trotzdem nicht was bei uns arbeitet, zumindest zeigen uns das die Ergebnisse die wir liefern.
Und wir haben einige kluge Köpfe bei uns, die vorher in der freien Wirtschaft ihre besser bezahlt Karriere gemacht haben.

Du kannst aber schon erkennen, dass dieses Gehaltsgefüge nicht sonderlich attraktiv ist für einen Informatiker?
E13/E14 ist für viele Informatiker ausserhalb von FFM/M ... ein durchaus attraktives Gehalt.

Also schön dass das ÖD für FIs weniger unattraktiv im Vergleich zur fW ist.
Für Akademiker im IT Bereich trifft das dann aber nicht zu. Vor allem wenn man dann trotz höherer Entgeltgruppe und höherer Qualifikation mit E13/6 bombastische 25€ mehr im Monat an Bruttoverdienst hat als der E12/6 FI.
Zwei mir persönlich bekannt FI arbeiten auf dem Gehaltslevel von E15, für die wäre der öD auch unattraktiv.
Aber auch nur weil sie eben nicht entsprechende Tätigkeiten übertragen bekommen würden, die sie jetzt in der pW ausüben.
Und ja E12/E13 ist eine Gehaltssuppe und kann gut und gerne vereinigt werden.


Spid

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« Antwort #791 am: 05.07.2020 11:15 »
@ Spid
@ Tagelöhner

Dann machen sie bessere Vorschläge.

Und ja Kinderbetreuung ist kein Alleinstellungsmerkmal aber ein pull Effekt für 5 Jahre.

Man kann es auch mit kommunalen Wohnungen zu entsprechend günstigen Mietpreisen für angestellte versuchen.

Klar ist das der öD meiner Meinung nach mit seinem Tafelsilber ARBEITEN muss den mit Geld wird er nicht mithalten können. Vor allem nicht der kommunale beim Bund mag das anders sein, immerhin war der Bund bereit eine Einmalzahlung für wine Verschiebung der Verhandlungen zu zahlen....

Habe ich.

Welches Tafelsilber? 2015 befanden sich 52.000 Wohnungen im Besitz von 447 Gemeinden.

Stonie

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« Antwort #792 am: 05.07.2020 11:22 »
Das Tafelsilber habe ich erwähnt zum Beispiel bei Kinderbetreuung in kommunalen Einrichtungen.

Dann halt noch eine Jahreskarte für das kommunale Schwimmbad plus Sauna

Einfach mal kreativ werden. Und wenn die Kommunen keine Wohnung haben dann halt Bauen. Kommunaler Grund und Genehmigungsverfahren sollten ja nicht das Problem sein....

Spid

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« Antwort #793 am: 05.07.2020 11:32 »
Genau , wenn die Kommunen kein Brot haben, sollen sie halt Kuchen essen.

AndreasG

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« Antwort #794 am: 05.07.2020 11:39 »
Nun ist es aber so, dass in der fW ein Akademiker und sei es nur die Durchschnittsbachelorette für die gleiche Tätigkeit durchschnittlich ein 10% bis 20% höheres Gehalt bekommt.

Und auch das finde ich angemessen da das durchschnittliche Qualifikationsniveau eines Akademikers nunmal über dem einer Person mit einer 3 jährigen Ausbildung liegt


Je öfter ich diese Aussage von immer mehr Menschen lese umsomehr muss ich an deren Intelligenz zweifeln.

Ein Bachelor ist der erste berufsbefähigende Abschluss das ist kein Dipl Ing mehr. Das ist eine 3 jährige schulische Ausbildung.

Es ist die oft herabgewürdigte duale Ausbildung die Deutschland groß gemacht hat, um die Deutschland weltweit beneidet wird.

Über den Bachelor und die Abschaffung des Dipl Ing wird international nur der Kopf geschüttelt.

Der Bachelor ist keine "schulische Ausbildung" sondern ein Hochschulabschluss.

Eine schulische Ausbildung hat zb der Fachinformatiker der seine Ausbildung im CJD gemacht hat und dann nach 3 Jahren im Klassenzimmer den gleichen IHK Abschluss bekommt wie seine Kollegen die in der fW tatsächlich praktisch tätig waren.

Und es bringt auch wenig hier über FI, Bachelor und so weiter zu diskutieren.

Fakt ist nunmal dass der ÖD was Fachkräfte angeht mit der fW konkurriert.
 
Bei der SAP zum Beispiel bekommt jemand mit Dr. Titel für die gleiche Tätigkeit nochmal 10% "Doktorbonus".
Im ÖD ist ein Dr. Titel belanglos. Dementsprechend ist der ÖD für Akademiker mit Dr. Titel nunmal unattraktiver als Konzerne die diese akademische Leistung würdigen.

In der fW gibt es diese Gehaltsunterschiede.

Und wenn man nicht hingeht und den Top FI mit einem lausigen Bachelor of Arts von der Wald und Wiesen Fh vergleicht sondern den durchschnittlichen FI mit dem durchschnittlichen Bachelor dann sind diese Gehaltsunterschiede in meinen Augen gerechtfertigt.


Es bleibt letztlich dabei, dass der ÖD für den durchschnittlichen FI sehr attraktiv ist, genau wie für den schlechten Akademiker.

Ein durschnittlicher Akademiker oder ein guter FI würde in der fW deutlich mehr verdienen und was Arbeitsplatzsicherheit angeht können solche Leute nur müde lächeln. Da stehen auch in der fW die Arbeitgeber auf der Matte.


Was sich ja schon am hier angesprochenen "Tafelsilber" zeigt.

Wenn der ÖD hier mit Goodies jenseits des Gehalts punkten will müsste er zuerst mal die Goodies liefern die in der fW mittlerweile üblich sind.