Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 591784 times)

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4935 am: 07.09.2021 14:55 »
Die Fallpauschalen sind auskömmlich - aber nur solange sie auch gezahlt werden. Die Vergütung, die Kassenärzte für die Behandlung von Kassenpatienten erhalten, ist aber monatlich gedeckelt - und hat man bereits entsprechend viele Behandlungen abgerechnet, arbeitet man quasi umsonst. Bei gutgehenden Praxen mit hohem Anteil gesetzlich Versicherter ist das häufig bereits ab dem 22. eines Monats der Fall.

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4936 am: 07.09.2021 15:08 »
Wenn ich aus dem näheren Umkreis von zahnmedizinischen Fachangestellten höre wie oft der Zahnarzt (Chef) in der Mittagspause prahlt, dass er jetzt seinen zweiten Porsche / dritten Luxusurlaub plant, dann glaube ich schon, dass genug Budget vorhanden ist, Personen mit dreijähriger Fachausbildung über Mindestlohn zu bezahlen.
Auch wenn ZMA sicherlich regelmäßig nicht zu den Topverdienern gehören, werden sie sicherlich ebenso regelmäßig nicht nur den Mindestlohn erhalten. Und auch wenn es dem AG vermutlich in einigen Fällen möglich sein dürfte, die Gehälter um 10 oder 20% anzuheben, sind die Mädels danach ja immer noch nicht gut situiert.

Ohne entsprechende Verbesserungen jemandem abspenstig machen zu wollen frage ich mich manchmal gleichwohl, wo die Forderung nach Mindeststandards hinführen sollen. Wenn Würde erst dann beginnt, wenn sich auch jede Hilfskraft neben Auto und Auslandsurlaub auch eine großzügige Wohnung im Ballungsgebiet leisten kann, wozu soll sich dann jemand anderes überhaupt noch unter Mühsal und Verzicht Qualifizieren und Überstunden schieben. Das darf man auch nicht aus dem Blick verlieren.

BAT

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« Antwort #4937 am: 07.09.2021 15:17 »
Gewerkschaftsforderungen sollten doch nichts zu tun haben mit gesellschaftlicher Philosophie sondern mit stringenter Durchsetzung möglichst hoher Ansprüche.

Und wenn dann halt eine MFA ein fünfstelliges Brutto hat, ist oder wäre das insofern kein Problem.


Fragmon

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« Antwort #4938 am: 07.09.2021 15:21 »
Wenn ich aus dem näheren Umkreis von zahnmedizinischen Fachangestellten höre wie oft der Zahnarzt (Chef) in der Mittagspause prahlt, dass er jetzt seinen zweiten Porsche / dritten Luxusurlaub plant, dann glaube ich schon, dass genug Budget vorhanden ist, Personen mit dreijähriger Fachausbildung über Mindestlohn zu bezahlen.
Auch wenn ZMA sicherlich regelmäßig nicht zu den Topverdienern gehören, werden sie sicherlich ebenso regelmäßig nicht nur den Mindestlohn erhalten. Und auch wenn es dem AG vermutlich in einigen Fällen möglich sein dürfte, die Gehälter um 10 oder 20% anzuheben, sind die Mädels danach ja immer noch nicht gut situiert.

Ohne entsprechende Verbesserungen jemandem abspenstig machen zu wollen frage ich mich manchmal gleichwohl, wo die Forderung nach Mindeststandards hinführen sollen. Wenn Würde erst dann beginnt, wenn sich auch jede Hilfskraft neben Auto und Auslandsurlaub auch eine großzügige Wohnung im Ballungsgebiet leisten kann, wozu soll sich dann jemand anderes überhaupt noch unter Mühsal und Verzicht Qualifizieren und Überstunden schieben. Das darf man auch nicht aus dem Blick verlieren.

Das Mindestmaß höher zu ziehen halte ich genauso wie du für nicht sinnvoll. Jedoch gibt es einen Unterschied zwischen ungelernt und BBiG Ausbildung. Personen mit dieser Qualifikation dann mit 1700 - 2000 Brutto nach Hause zu schicken halte ich besonders in dem Bereich wo budgettechnisch Spielräume vorhanden ist (für mich) verachtenswert. Kleine Unternehmen, welche gerade so um die Runden kommen sind natürlich etwas anderes. Aber Anwaltskanzleien, Steuerberatungen, Zahnarztpraxen haben den Spielraum das Gehalt anzupassen.

BTT: Ich wollte damit auch nur sagen, dass es nicht pauschal stimmt, dass sich in der freien Wirtschaft die Gehälter bei Mangel anpassen.

was_guckst_du

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« Antwort #4939 am: 07.09.2021 15:27 »
BTT: Ich wollte damit auch nur sagen, dass es nicht pauschal stimmt, dass sich in der freien Wirtschaft die Gehälter bei Mangel anpassen.
...wenn es einen Mangel an Arzthelferinnen gäbe und der Zahnarzt sich deswegen seinen zweiten Porsche nicht mehr leisten könnte, würde auch der Zahnarzt gegensteuern...
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Fragmon

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« Antwort #4940 am: 07.09.2021 16:31 »
Ja, statt mehr zu bezahlen wollen die Zahnärzte bspw. an das Zahnheilkundegesetz ran. Damit soll erreicht werden, dass viele Tätigkeiten von ungelernten Personal erledigt werden kann. Also statt attraktiver zu werden, die Anforderungen absenken.


Spid

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« Antwort #4941 am: 07.09.2021 16:34 »
Warum auch nicht? In der Pflege und auf dem Bau hat man doch auch niedere Arbeiten auf die Hilfsarbeiter verlagert.

Fragmon

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« Antwort #4942 am: 07.09.2021 17:05 »
Und das erkennt man anhand der Qualität der Pflege und bei Neubauprojekten. Ich möchte diese Qualität ungern auch im Bereich der medizinischen Daseinsvorsorge wiederfinden.

Mit diesem Weg (Senkung der Anforderungen statt Erhöhung der Attraktivität) wird auch die Qualität in vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes leiden und die Bevölkerung bemängelt doch bereits jetzt die Antragsdauer und Projektqualität.

So und jetzt wieder BTT.

Spid

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« Antwort #4943 am: 07.09.2021 17:14 »
Ich wüßte nicht, daß Neubauprojekte in der Qualität darunter litten, daß der Speis vom Handlanger angerührt wird oder die Pflege darunter litte, daß Bettpfannen und Toilettenstühle von Ungelernten geleert und Patienten von Pflegehelfern gewaschen werden - um in beiden Fällen die Fachkräfte von solchen Aufgaben zu entlasten. Warum sollte die Transportverordnung auf Muster 4 jetzt unbedingt von einer MFA ausgefüllt werden?

Das ist im übrigen Bestandteil des Themas.

Fragmon

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« Antwort #4944 am: 07.09.2021 17:21 »
Bei Hilfstätigkeiten gehe ich mit. Die Zahnärztevereinigung möchte aber bspw. möchten weitere medizinische Arbeiten auf ungelernte delegieren können, welche bisher nur von Ausgebildeten durchgeführt werden dürfen. Die Festlegung was delegiert werden darf und an wen wurde bestimmt nicht ohne Grund so vereinbart. Ich möchte damit ja auch nur das System kritisieren. Statt Attraktivität zu steigern senkt man die Anforderungen, damit man weiter wenig bezahlen kann. Das zieht sich bspw. jetzt schon an die Anforderung des Staatsexamens bei Volljuristen. Behörden verlangen schon seit Jahren kein Prädikatsexamen mehr.

Spid

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« Antwort #4945 am: 07.09.2021 17:37 »
Aber auch da gibt es Tätigkeiten, die man mit ein- oder zweijähriger Ausbildung genauso gut machen kann. Das ist ja auch die Idee hinter dem Pflegehelfer in der Altenpflege und den Anlernberufen in gewerblichen Tätigkeiten. Warum keine Medizinische Helferin als Anlerntätigkeit für allerlei niedere Arbeiten?

Bastel

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« Antwort #4946 am: 07.09.2021 21:56 »
Mit diesem Weg (Senkung der Anforderungen statt Erhöhung der Attraktivität) wird auch die Qualität in vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes leiden und die Bevölkerung bemängelt doch bereits jetzt die Antragsdauer und Projektqualität..

Anscheinend ist es noch nicht schlimm genug, sonst würde man von AG Seite aus dagegen steuern. Aber lieber lässt man sich wieder auf die Sozialismuspauschale ein.

WasDennNun

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« Antwort #4947 am: 07.09.2021 22:44 »
Mit diesem Weg (Senkung der Anforderungen statt Erhöhung der Attraktivität) wird auch die Qualität in vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes leiden und die Bevölkerung bemängelt doch bereits jetzt die Antragsdauer und Projektqualität..

Anscheinend ist es noch nicht schlimm genug, sonst würde man von AG Seite aus dagegen steuern. Aber lieber lässt man sich wieder auf die Sozialismuspauschale ein.
mmmh
also so weit ich weiß gibt  für die AG die Möglichkeit 1000€ befristete Zulage im öD für MINT (ITler) zahlen, also ist es nicht schlimm genug um die Gieskanne auszupacken und allen > eg9 mehr anzubieten.

und die oben genannte Probleme sind ja nicht dem aktuellen Personalmangel geschuldet, sondern liegen eher in den jahrzehntelangen Missmanagment innerhalb der Verwaltung

Arno-Nühm

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« Antwort #4948 am: 08.09.2021 08:57 »
Arbeitszeitverringerung ist ja schön und gut, löst aber nicht die vorhandenen Probleme.

Bereits jetzt ist der Öffentliche Dienst, vor allem ab E9, so unattraktiv dass etliche Stellen nicht besetzt werden.
Ich hatte mehrfach E13 Stellen ausgeschrieben, ohne dass auch nur eine Bewerbung eingegangen ist.
Dieses Problem wird von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde verschärft, da Verdi überproportional die unteren und mittleren Gruppen bevorteilt, zu Lasten der höheren Gruppen. Sozialismusgedanke.

Eine Arbeitszeitverringerung würde die Probleme weiter verschärfen, da selbst wenn der AG zusätzliches Personal einstellen möchte, er keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

Arbeitszeitverringerung kann zur Attraktivitätssteigerung führen, ist aber bei weitem noch nicht ausreichend.
Es müssen auch noch die "Verschlechterungen" der letzten Jahrzehnten ausgeglichen werden und da reden wir von einem zweistelligen Prozentbereich.
Als Orientierung kann ja der TV-V dienen. Mit diesen Gehältern müssen wir, gerade im technischen Bereich, konkurrieren und haben auf dem Arbeitsmarkt nicht wirklich eine Chance.

Aber du weißt schon, dass in anderen Branchen die 35 h Woche Standard ist bei gleichzeitig 30% mehr Gehalt?
Und sind wir alle doch mal ehrlich: bis auf wenige Ausnahmen, würde die Arbeit im ÖD grundsätzlich auch mit einer 35 h Woche geschafft werden. Wenn ich sehe, wieviel Raucher-, Kaffee- und sonstige Pausen gemacht werden...

Spid

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« Antwort #4949 am: 08.09.2021 09:01 »
Ich kenne nur eine Branche, in der die 35-Stundenwoche zumindest nahe dran ist, der Standard zu sein.