Autor Thema: Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche  (Read 252787 times)

Isi

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Antw:Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche
« Antwort #1950 am: 31.08.2021 21:47 »
Der Großteil der GEW Mitglieder im Landesdienst (Angestellte) liegt zwischen E7 und E13 - bzw. S8a bis S12.
Gymnasiale Lehrkräfte sind besser beim DPhV aufgehoben.

Bei  einer angestrebten Entgelterhöhung von 5 Prozent käme auch in der E7 spätestens ab Stufe 3 der geforderte Sockelbetrag von 150 Euro nicht mehr zur Anwendung. Das ist also echt keine primäre Baustelle der GEW. Solidarität ist imer gut. Aber die GEW sollte vielmehr die Solidarität der Beamtenschaft einforden, damit endlich strukturelle Verbesserungen durchgesetzt werden können.

Bezüglich der genauen Mitgliederstrukur hält die GEW sich bedeckt. Wikipedia nennt eine Zahl von 63 Prozent von Mitgliedern im Schuldienst. (Dem hat die GEW bisher auch nicht widersprochen). Hinzu kommen akademische Sozialberufe und Mitglieder aus dem Akademischen Mittelbau. Damit könnte ich nach wie vor Recht haben, wenn ich behaupte, dass der überwiegende Teil der Mitglieder sich in einer Gehaltshöhe entsprechend der EG9 aufwärts befindet.

In jüngster Zeit bemüht sich die GEW auch um Mitglieder aus den Erziehungs- oder Sozialpflegerischen Berufen. Dahinter steckt m.E. aber mehr die Erkenntnis, das Kernklientel nicht mehr ausreichend vertreten zu können und so dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken.

Wie von mir ausgeführt: die GEW ist DAGEGEN. Sie sind gegen den Sockelbetrag und auch gegen die Jahressonderzahlung.
Ich war in der Vergangenheit für die GEW als Honorarkraft tätig, natürlich mag das Klientel nicht in jedem Bundesland gleich sein, ich war in BW (dem größten GEW Landesverband) tätig und hier zeigte sich mir ein sehr deutliches Bild:

Im Bereich des TV-L: viele Sozialberuflich Engagierte (praktisch alle SBBZ Mitarbeiter & Fachlehrer, Grundschullehrer und Teilweise Real- und G/E Schullehrer); Jugendamtsmitarbeiter in geringem Maße und aus Hochschulen habe ich sehr sehr wenige GEW Mitglieder kennen gelernt - in den Gremien in BW sind diese faktisch gar nicht repräsentiert...

Aber klar, du kannst Recht haben, ich glaube es aber nicht.

Besonders Fachschulen, SBBZ und Sonderpädagogische Schulen & Heime in Landesträgerschaft in Landesträgerschaft sind in der GEW sehr gut organisiert und auch bestreikbar.
Aber gerade da sind 1/3 der Belegschaft in der Hauswirtschaft tätig und da dort viele Personalratsposten (freigestellt natürlich *HUST) von der GEW besetzt sind und gehalten werden wollen interessieren die sich auch für E3-5.

Lothar57

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Gewerkschaften für alle und damit für keinen
« Antwort #1951 am: 01.09.2021 09:50 »
Und genau das ist das Hautproblem von ver.di und co. Diese Gewerkschaften vertreten inzwischen gleichermaßen alle und jeden und damit so recht niemanden mehr. Am Ende steht oben auf der Forderungsliste nur noch der Minimalkonsens in Form einer Erhöhung des Tabellenentgeltes nebst Sockelbetrag. Alle anderen Forderungen der einzelnen Untergruppierungen werden nur bearbeitet, wenn sie aktuell kommunikativ gut vermarktbar sind. Am Ende heißt es, man habe für Zielgruppe A und B viel erreicht. Die Zielgruppen C bis Z mögen das doch bitte solidarisch mittragen, vielleicht sind sie ja beim nächsten Mal dran.

Auch die GEW ist auf dem Weg zu einer für alle und damit für keinen Gewerkschaft. Aus Sorge vor dem Mitgliederschwund wirbt sie nun quer durch alle Zielgruppen, die irgendwas mit Erziehung, Bildung, Soziales oder Wissenschaft zu tun haben. In der Folge wird das Profil immer verwaschener. Schlimmstenfalls wird die frühere Lehrergewerkschaft so zur Blockflöte im Konzert, welches ver.di dirigiert. Dann wäre es ehrlicher als Gewerkschaft, einfach ver.di beizutreten.
Ceterum censeo paralleltabellum esse einzufuehrendam.

Highwaystar

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« Antwort #1952 am: 01.09.2021 14:58 »
Als angestellter Lehrer werde ich von der GEW leider nur schlecht vertreten, zumindest mit Blick auf die Tarifverhandlung und Abschlüsse in den letzten Jahren bzw. mit Beginn des TV-L.

Sockelbetrag ist für mich dunkelster Kommunismus. Es gibt Menschen, die viel dafür getan haben, um EG11 aufwärts zu verdienen!

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öfföff

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« Antwort #1953 am: 01.09.2021 15:00 »
Die im Artikel angesprochenen Probleme dürften sicher auch ver.di bekannt sein. Sie betreffen nur halt nicht deren Klientel, was zu den ja schon oft beobachteten Konsequenzen führt (Sockelbeträge, kein Einsatz für Erhöhung in EG >10).

Gibt es eigentlich irgendwo Daten wie die Einnahmen von verdi aus dem TV-L/TVöD-Kreis auf die unterschiedlichen EG verteilt sind?
Also zb. wie folgt: wieviel EUR kommen aus Stufen 1-9, wieviel EUR aus 10-15?
Die Beiträge sind ja prozentual vom Gehalt...

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche
« Antwort #1954 am: 01.09.2021 15:14 »
Sockelbetrag ist für mich dunkelster Kommunismus. Es gibt Menschen, die viel dafür getan haben, um EG11 aufwärts zu verdienen!

Nur als kleine Randbemerkung: Kommunismus heißt nicht, dass jeder gleich viel erhält, sondern jeder nach seinen Bedürfnissen. Die aktuelle Beamten-Alimentation, die sich nicht nur an der Tätigkeit oder dem Amt des Einzelnen bemisst, sondern ach die Familiensituation der ggf.mitzuversorgenden Familienmitglieder einbezieht, dürfte da deutlich näher an diesem kommunistischen Gedanken liegen. M.W. gab es dergleichen im BAT auch...

was_guckst_du

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« Antwort #1955 am: 01.09.2021 15:20 »
....Beamte aller länder, vereinigt Euch! :D
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Spid

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« Antwort #1956 am: 01.09.2021 15:34 »
Sockelbetrag ist für mich dunkelster Kommunismus. Es gibt Menschen, die viel dafür getan haben, um EG11 aufwärts zu verdienen!

Nur als kleine Randbemerkung: Kommunismus heißt nicht, dass jeder gleich viel erhält, sondern jeder nach seinen Bedürfnissen. Die aktuelle Beamten-Alimentation, die sich nicht nur an der Tätigkeit oder dem Amt des Einzelnen bemisst, sondern ach die Familiensituation der ggf.mitzuversorgenden Familienmitglieder einbezieht, dürfte da deutlich näher an diesem kommunistischen Gedanken liegen. M.W. gab es dergleichen im BAT auch...
Das ist zwar durchaus ein Selbstbild des Kommunismus, daß er danach frage, was der Mensch braucht, nicht was er leistet. Reale Ausprägungen hat er auf Staatsebene ja nie erfahren, weswegen das Ganze deduktiver Empirie auch nicht zugänglich ist. Ihm ist aber durchaus ein gewisser ökonomischer Egalitarismus immanent. Ich spreche deshalb auch lieber von der Sozialismuskomponente. Der Sozialismus war ja als tödlichste Ideologie des 20. Jahrhunderts auch in staatlicher Ausformung real existent und somit der Deduktion zugänglich - und aus den real existierenden und existiert habenden sozialistischen Staaten läßt sich eben tatsächlich ein ökonomischer Egalitarismus deutlich erkennen. Es gibt ja immer noch eine Partei, die an der Bundesregierung beteiligt ist, die sich explizit zu ihm bekennt.

cyrix42

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« Antwort #1957 am: 01.09.2021 15:50 »
Da ich mich in Fragen der Ökonomie und Lohnstrukturen selbsternannter sozialistischer Staaten nicht auskenne, kann ich dazu keine sinnvolle Erwiderung treffen und lasse dies dann einfach mal so stehen. Interessant wäre in dem Zusammenhang aber durchaus auch eine Erörterung der theoretischen Grundlagen -- und warum bei ggf. vorhandenen Unterschieden in der Praxis eben jener Staaten davon abgewichen wurde. Aber auch hier fehlen mir die Fachkenntnisse, sodass ich dies den entsprechend gebildeten Expertinnen und Experten überlassen muss.

öfföff

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« Antwort #1958 am: 01.09.2021 16:18 »
Wann würde denn die JSZ wieder auf die ursprünglichen Werte hochgehen, wenn bei dieser Tarifrunde nichts zu dem Thema ausgehandelt wird?

Spid

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« Antwort #1959 am: 01.09.2021 16:24 »
Überhaupt nicht.

Saggse

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Antw:Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche
« Antwort #1960 am: 01.09.2021 17:12 »
Wann würde denn die JSZ wieder auf die ursprünglichen Werte hochgehen, wenn bei dieser Tarifrunde nichts zu dem Thema ausgehandelt wird?
Die JSZ wird hoffentlich irgendwann mal komplett abgeschafft und auf das monatliche Entgelt verteilt!

Hinz

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« Antwort #1961 am: 01.09.2021 17:16 »
Wann würde denn die JSZ wieder auf die ursprünglichen Werte hochgehen, wenn bei dieser Tarifrunde nichts zu dem Thema ausgehandelt wird?
Die JSZ wird hoffentlich irgendwann mal komplett abgeschafft und auf das monatliche Entgelt verteilt!

Real ? JSZ wird abgeschafft mit vermeintlicher Kompensation, welche zur lasten der AN führt.


Lothar57

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« Antwort #1962 am: 01.09.2021 17:32 »

Sockelbetrag ist für mich dunkelster Kommunismus. Es gibt Menschen, die viel dafür getan haben, um EG11 aufwärts zu verdienen!

INFLATIONSAUSGLEICH für alle!

Ich glaube, man überschätzt die Gewerkschaften, wenn man ihnen irgendwelche sozialistischen oder kommunistischen Motive unterstellt. Die Forderungen sind reine zielgruppenorientierte Taktik.
Bei einer gleichzeitigen Forderung nach 5 Prozent Entgeltsteigerung, käme der Sockelbetrag nur bei Einkommen unterhalb von 3000 Euro monatlich zum tragen. Bereits in der EG3/5 (z.B. Mitarbeiter in der Poststelle) würden die 3000 Euro/mtl. überschritten. Selbst bei einem Einkommen von 2500 Euro, überstiege der Sockelbetrag die Entgelterhöhung gerade mal um 25 Euro. Im Gesamtvolumen der Erhöhung kommt der Sockelbetrag also kaum zum Tragen. Selbst in der alleruntersten EG1/2 (ungelernte Küchenhilfe) müssten die AG gerade mal € 48,15 zuzahlen.

Wichtiger ist das Signal: Schaut her, wir kümmern uns um euch ärmere Schichten. Also tretet der Gewerkschaft bei.
Ceterum censeo paralleltabellum esse einzufuehrendam.

Spid

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« Antwort #1963 am: 01.09.2021 17:46 »
Eine Sozialismuskomponente - und um eine solche handelt es sich bei Sockel- und Mindesterhöhungsbeträgen, weil sie die vertikale Spreizung der Entgelttabelle verringern - bleibt eine Sozialismuskomponente, ob das sozialistische Gedankengut gewollt oder nicht gewollt war.

Lothar57

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« Antwort #1964 am: 01.09.2021 18:00 »
Ein Gespenst geht um in Europa: der Sockelbetrag.
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