Autor Thema: Tarifrunde 2023  (Read 281599 times)

Muenchner82

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1560 am: 21.04.2023 10:29 »
Gut, ich muss zugeben ich habe jetzt nur auf meine Besoldung gerechnet, ist natürlich etwas eigensinnig.
200€ + 5,5% sind bei mir halt 5.535 €. Das sind für mich persönlich ganz grob 6.000€.
Klar, zeitlich müsste man die ganze Geschichte noch 3 Monate nach vorne schieben damit man ganz genau in der Mitte raus kommt.

Ich finde das Ergebnis in Anbetracht der Umstände auch vertretbar. Klar ist die prozentuale Erhöhung spät, aber man muss sehen, dass es hinten raus, also für die nächsten Verhandlungen doch eine sehr gute Basis schafft.

clipse

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1561 am: 21.04.2023 10:47 »
Gut, ich muss zugeben ich habe jetzt nur auf meine Besoldung gerechnet, ist natürlich etwas eigensinnig.
200€ + 5,5% sind bei mir halt 5.535 €. Das sind für mich persönlich ganz grob 6.000€.
Klar, zeitlich müsste man die ganze Geschichte noch 3 Monate nach vorne schieben damit man ganz genau in der Mitte raus kommt.

Ich finde das Ergebnis in Anbetracht der Umstände auch vertretbar. Klar ist die prozentuale Erhöhung spät, aber man muss sehen, dass es hinten raus, also für die nächsten Verhandlungen doch eine sehr gute Basis schafft.

Natürlich ist die Basis für die nächsten Verhandlungen nicht schlecht. Aber das größte Problem wird sein, dass man uns dann entgegenhalten wird, dass wir erst vor 9 Monaten eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von 11 % bekommen haben. Dann droht uns wieder eine Nullrunde. Wir müssen wieder dahin kommen, dass die Entgelterhöhungen direkt nach dem Ende der vorherigen Laufzeit stattfinden.

Muenchner82

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1562 am: 21.04.2023 11:00 »
Natürlich ist die Basis für die nächsten Verhandlungen nicht schlecht. Aber das größte Problem wird sein, dass man uns dann entgegenhalten wird, dass wir erst vor 9 Monaten eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von 11 % bekommen haben. Dann droht uns wieder eine Nullrunde. Wir müssen wieder dahin kommen, dass die Entgelterhöhungen direkt nach dem Ende der vorherigen Laufzeit stattfinden.

Der Zeitversatz ist in der Tat sehr ärgerlich. Für die laufende Periode sehe ich das unkritisch, da ja das netto sofort durch die Einmalzahlungen spürbar steigt, aber wie Du schon sagst wird vermutlich bei den nächsten Verhandlungen dann wieder so argumentiert werden, allerdings werden die immer so argumentieren, völlig egal wann die letzte Erhöhung war... Wobei man durchaus auch mal eine Arbeitszeitkomponente mit einbringen könnte, also anstatt mehr Gehalt weniger Arbeitszeit.
« Last Edit: 21.04.2023 11:09 von Muenchner82 »

kimonbo

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1563 am: 21.04.2023 11:23 »
Und vergesst nie. Es ist alles schon in trockenen Tüchern, Friede Springer mag uns hahhaaaaa
https://m.bild.de/bild-plus/politik/inland/politik-inland/lohnplus-fuer-beamte-dritte-geld-bescherung-im-letzten-halbjahr-83637958.bildMobile.html?t_ref=https%3A%2F%2Fwww.google.fr%2F
Gerade haben Beamte vom nächsten Geld-Hammer erfahren – es ist die dritte Finanzüberraschung im letzten Halbjahr
▶︎ Tarif-Lohnplus: 2,5 Millionen Beschäftigte sollen im ersten Schritt ein steuerfreies Inflationsausgleichsgeld von insgesamt 3000 Euro erhalten, ausgezahlt in mehreren Raten bis Februar 2024. Ab 1. März 2024 werden die Tarifgehälter um einen Sockelbetrag von 200 Euro angehoben, die Summe dann um 5,5 Prozent erhöht – das heißt, dass dann jeder mindestens 340 Euro mehr bekommt.
 
▶︎ Ende November 2022 wurden rund 1,7 Millionen Staatsdiener mit satten Mietzuschüssen beschert, um die steigenden Kosten fürs Wohnen auszugleichen.
▶︎ Dann hatte die Einführung des Bürgergelds Folgen – sowohl für die Beamtenbesoldung als auch für Pensionen („Ruhegehalt“). Beides musste angehoben werden.
Das ist noch lange nicht alles. Beamte (Lehrer, Justizbeamte, Polizisten u.v.m.) genießen viele weitere Vorzüge – dienstlich und finanziell!
Keine Sozialversicherungsbeiträge
Beamte zahlen wie alle anderen Erwerbstätigen zwar auch Steuern nach dem Einkommenssteuergesetz, haben aber einen klaren Vorteil: Vom Brutto-Sold müssen sie keine Abgaben für die Renten- und Arbeitslosenversicherung leisten.
▶︎ Wegen der sogenannten Fürsorgepflicht kümmern sich Land oder Bund um die Altersvorsorge. Im Bundesbeamtengesetz heißt es: „Der Dienstherr hat im Rahmen des Dienst- und Treueverhältnisses für das Wohl der Beamtinnen und Beamten und ihrer Familien, auch für die Zeit nach Beendigung des Beamtenverhältnisses, zu sorgen.“
Private, vergünstigte Krankenversicherung
Alle Beamten müssen sich privat versichern – und nahezu alle (93 Prozent) sind es auch!
Je nach Lebenssituation übernimmt der Dienstherr einen Teil der Krankenfürsorge in Form einer Beihilfe. Bedeutet: Beamte versichern sich zu 30 oder 50 Prozent bei einer privaten Krankenversicherung, den Rest der Kosten übernehmen das Land oder der Bund.
 
Familien-Bonus: Auch die Kinder werden in dieses Fürsorgesystem eingebettet, solange sie unter 25 Jahre alt sind.
Pensionen
Statt einer Rente erhalten Beamte ein Ruhegehalt, das sich aus den abgeleisteten Dienstjahren errechnet. Je nach Bundesland oder als Bundesbeamter ist die Höhe zwar unterschiedlich – aber deutlich höher als die ausgezahlte Rente der Deutschen Rentenversicherung.
▶︎ Beamte können mit ungefähr 70 Prozent ihres Bruttogehaltes im Durchschnitt als Rente rechnen.
Zuschläge
Beamte bekommen diverse Zuschläge.
▶︎ Familienzuschlag: 1. Stufe: verheiratete oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebende Beamte, 2. Stufe und weitere Stufen: kindergeldberechtigte Beamte.
▶︎ Jubiläumszulage für 25-, 40- und 50-jährige Diensttätigkeit. ▶︎ Leistungsprämie und -zulage für besondere Leistungen.
▶︎ Sonderzahlungen: Einbau der jährlichen Sonderzahlung unter anderem im Bereich des Bundes.
▶︎ Stellenzulagen für eine vorübergehende, herausgehobene Funktion.
Unkündbarkeit
Für Beamte gilt nach dem Bundesbeamtengesetz das Lebenszeitprinzip!

Heißt: Sie werden grundsätzlich auf Lebenszeit ernannt. Eine vorzeitige Entlassung aus dem Amt ist – außer in besonderen Fällen – ausgeschlossen.

Fubar1323

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1564 am: 21.04.2023 11:44 »
Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Jahresbezüge für einen Musterbeamten A 10 Stufe 6 seit 2020 zusammenzustellen. Für 2023 unterstelle ich die Übernahme der Einmalzahlungen (1240€ im Juni und je 220€ in den weiteren Monaten) und für 2024 die Einmalzahlungen im Januar und Februar sowie (auch wenn verfassungsgemäß unmöglich) ab März Erhöhung um 200€ mit anschließender Erhöhung um 5,3% (das Abschaffen der Pensionsvorsorgekürzung war uns ja früher auch schon einmal versprochen worden). Für die Steuerberechnung habe ich die Angaben zur PKV zur Vereinfachung weggelassen, in den Bruttowerten sind die Einmalzahlungen nicht enthalten, sondern erst beim Netto hinzugefügt. Die Inflationswerte für 2023 und 2024 sind der letzten EZB-Prognose für den Euroraum entnommen. Die letzte Zeile stellt das nötige Nettoeinkommen dar, das nötig wäre, um die Kaufkraft von 2020 zu erhalten.

Jahr20202021202220232024
Brutto47297,72€47806,98€48596,40€48812,16€53074,06€
Netto38070,72€39078,98€39767,40€43164,16€43976,06€
Inflation.3,1%7,9%5,3%2,9%
Netto für Kaufkrafterhalt38070,72€39250,91€42351,73€44596,37€45889,66€

Unserem Musterbeamten fehlen dann also für 2024 schon knapp 2000€ Kaufkraft im Vergleich zu 2020 bzw. die Netto(!)-Bezüge müssten um 4,35% höher liegen, um die Kaufkraft von 2020 zu erreichen. Über den Zeitraum 2021-2024 kommt es insgesamt zu einem Kaufkraftverlust von 6100€.

Ich möchte noch einmal auf den enormen Kaufkraftverlust seit 2020 hinweisen, selbst wenn der Schlichterspruch in der günstigsten denkbaren Variante übernommen würde. Irgendwie geht das hier unter.

TheBr4in

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1565 am: 21.04.2023 11:45 »
Bei dem Ruprecht bin 7ch unsicher, ob der mit Absicht lügt oder ob er einfach nur dumm ist.

Muenchner82

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1566 am: 21.04.2023 12:08 »
Bei dem Ruprecht bin 7ch unsicher, ob der mit Absicht lügt oder ob er einfach nur dumm ist.

Ist bei der Bild eine perfekte Mischung. Die Lüge ist gewollt und durch entsprechend unqualifiziertes und unkritisches Personal einfachst zu verbreiten.

Bastel

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1567 am: 21.04.2023 12:11 »
Bei dem Ruprecht bin 7ch unsicher, ob der mit Absicht lügt oder ob er einfach nur dumm ist.

Das dachte ich mir auch.

Big T

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1568 am: 21.04.2023 12:13 »
▶︎ Ende November 2022 wurden rund 1,7 Millionen Staatsdiener mit satten Mietzuschüssen beschert, um die steigenden Kosten fürs Wohnen auszugleichen.
▶︎ Dann hatte die Einführung des Bürgergelds Folgen – sowohl für die Beamtenbesoldung als auch für Pensionen („Ruhegehalt“). Beides musste angehoben werden.

Das ist jetzt schon nochmal eine Steigerung in der Falschdarstellung, finde ich. Wahnsinn.

TheBr4in

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1569 am: 21.04.2023 12:18 »
▶︎ Ende November 2022 wurden rund 1,7 Millionen Staatsdiener mit satten Mietzuschüssen beschert, um die steigenden Kosten fürs Wohnen auszugleichen.
▶︎ Dann hatte die Einführung des Bürgergelds Folgen – sowohl für die Beamtenbesoldung als auch für Pensionen („Ruhegehalt“). Beides musste angehoben werden.

Das ist jetzt schon nochmal eine Steigerung in der Falschdarstellung, finde ich. Wahnsinn.

Auch bei sowas sehe ich die Gewerkschaften in der Pflicht. Da muss meiner Meinung nach eine Richtigstellung eingefordert werden.

Knarfe1000

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1570 am: 21.04.2023 12:20 »
▶︎ Ende November 2022 wurden rund 1,7 Millionen Staatsdiener mit satten Mietzuschüssen beschert, um die steigenden Kosten fürs Wohnen auszugleichen.
▶︎ Dann hatte die Einführung des Bürgergelds Folgen – sowohl für die Beamtenbesoldung als auch für Pensionen („Ruhegehalt“). Beides musste angehoben werden.

Das ist jetzt schon nochmal eine Steigerung in der Falschdarstellung, finde ich. Wahnsinn.
Vor allem haben nur einige Beamte in einigen BL etwas bekommen. Hauptsächlich welche mit mehreren Kindern und in teuren Wohnlagen.

Der Artikel klingt, als seien die Grundbesoldungen für ALLE Beamten gestiegen und es habe für 3 Jahre eine Nachzahlung gegeben. Das ist eine infame Lüge.

Es MÜSSTE tatsächlich so sein, aber noch ist nichts in der Richtung umgesetzt.

Knarfe1000

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1571 am: 21.04.2023 12:24 »
Auch bei sowas sehe ich die Gewerkschaften in der Pflicht. Da muss meiner Meinung nach eine Richtigstellung eingefordert werden.

Richtig, der DBB muss hier eine Gegendarstellung verlangen.

Eukaryot

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1572 am: 21.04.2023 12:54 »
Hier einmal in Zahlen ausgedrückt, warum die Tarifrunde 2023 die historisch schlechteste seit Jahrzehnten wird:
(Die Tariferhöhungen beziehen sich auf den TVöD, nicht auf Beamte.)

2010: +1,2% (Inflation:1,1%) Tarifrunde für die Jahre bis 2012
2011: +0,6% (Inflation: 2,0%)
2012: +0,5% (Inflation: 2,0%) Tarifrunde für die Jahre bis 2014
2013: +3,5% (Inflation: 1,5%)
2014: +3,0% (Inflation: 0,9%) Tarifrunde für die Jahre bis 2015
2015: +2,1% (Inflation: 0,5%)
2016: +2,4% (Inflation: 0,5%) Tarifrunde für die Jahre bis 2017
2017: +2,35% (Inflation: 1,5%) Tarifrunde für die Jahre bis 2018
2018: +2,85% (Inflation: 0,5%) Tarifrunde für die Jahre bis 2020
2019: +2,81% (Inflation: 1,5%)
2020: +⌀1,06% (Inflation: 0,5%) Tarifrunde für die Jahre bis 2022
2021: +1,4% (Inflation: 3,1%)
2022: +1,8% (Inflation: 7,9%)
2023: Nullrunde +3000€ Prämie (Inflation: ≈6%) Tarifrunde für die Jahre bis 2024
2024: +⌀11,2% (Inflation: ≈2,8% gem. offizieller Schätzung)
2025: Inflationsschätzung des IWF: 2,3%

Das ist ein ordentlicher Reallohnverlust für die Jahre 2021 bis 2024.

Ob die Prämie für 2022 oder 2023 sein soll, darf sich wohl jeder aussuchen. In jedem Fall fehlt für das jeweils andere Jahr jeglicher Inflationsausgleich. Man kann doch nicht 2 starke Inflationsjahre in Folge mit 3000€ abspeisen, nachdem es 2021 ja bereits auch schon einen Reallohnverlust gab.

Durch die späte Tariferhöhung von durchschnittlich 11,2% rechne ich mit einem Abschluss, der auch für 2025 einen Reallohnverlust bedeutet. Das zeitliche Timing der Tarifverhandlungen ist nicht optimal.
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Knarfe1000

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1573 am: 21.04.2023 12:59 »
Für 2025 rechne ich auch nicht mit mehr als 2 - 2,5 % mehr. Vielleicht noch ein minimaler Sockelbetrag für alle. Die AG werden sicher versuchen, ein Nullrunde durchzudrücken. Verdi wird 5 % fordern.

Eukaryot

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Antw:Tarifrunde 2023
« Antwort #1574 am: 21.04.2023 14:33 »
Für 2025 rechne ich auch nicht mit mehr als 2 - 2,5 % mehr. Vielleicht noch ein minimaler Sockelbetrag für alle. Die AG werden sicher versuchen, ein Nullrunde durchzudrücken. Verdi wird 5 % fordern.
Die Entwicklung der Inflationsrate wird interessant. Bei 2,8% in 2024 und 2,3% bleiben die Reallohnverluste aus 2022 und 2023 zwar bitter, doch danach wird es zumindest nicht mehr unbedingt schlechter. Alleine die Erhöhung des CO2-Preises (Benzin, Heizöl, Erdgas) wird die Gesamtinflation laut KfW von 2024 bis 2026 alleine schon um 0,6% pro Jahr in die Höhe treiben.

Andererseits kann eine Inflation oft nur durch ein Aushebeln der Lohn-Preis-Spirale (d.h. Reallohnverluste) beendet werden. Einige Volkswirte dürften die Nullrunde somit als notwendig erachten.
Vollzeitäquivalent