Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 489245 times)

Philipp

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3600 am: 18.10.2022 14:43 »
Vielleicht bin ich ja die einzige hier für die 525 € oder 450 € monatlich eigentlich viel Geld ist.

Bin selber von EG 6 auf EG 9b gesprungen. Von 1000 Brutto mehr, bleiben mir 500 € netto monatlich. Bei gleich bleibenden Lebensumständen freut sich mein ETF gerade sehr

"Viel" ist immer relativ, aber es gibt genug Jobs wo man mit harter körperlicher Arbeit deutlich mehr Geld im Monat verdient. Montagedienste im Ausland, Bohrinseln, WEA zusammenstecken auf Hochsee usw.
Ob es einem das Wert ist "viel" mehr Netto im Monat zu haben ist genauso relativ.

Auch wenn ich 500€ Netto im Monat auch für eine respektable Differenz halte, mache ich für mich persönlich immer die Rechnung auf, ob diese Differenz noch gerechtfertigt ist.

Ich käme aktuell auch mit 500€ Netto weniger klar. Hauskredit ist auf rund 1% fest bis zum Ende der Laufzeit, bin recht sparsam was alltägliche Ausgaben angeht... also machbar.
Aktuell macht mir der Job als Führungskraft Spaß, aber ich kenne so einige Personen in Leitungsfunktionen, die durch üble Vorgesetzte, schlechte Politik oder eine launige Oberbürgermeisterin einmal ihren Spaß am Job, und auch ihren Enthusiasmus verloren haben. Da tut dann die Führungskraft auch nur noch was sie mindestens muss.

Wenn ich mich aktuell auf eine E11-Stelle Sachbearbeitung bewerbe, sind das auch nur 293€ netto "weniger" im Monat. (EG13 S4 gegen EG11 S4). Das ist schon verlockend, wenn ich dafür wieder im Schlabberpulli zur Arbeit kann statt jeden Tag Hemd und Krawatte tragen zu müssen.

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3601 am: 18.10.2022 14:51 »
Um die geschätzt 20% Mehrsteigerung der letzten Jahren (Vergleich IGM zu TVÖD) jetzt wieder anzugleichen, müsste ja Verdi minus 14% verhandeln.

Das kriegen die hin, bin da voller Zuversicht

Opa

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3602 am: 18.10.2022 15:17 »
Wenn ich mich aktuell auf eine E11-Stelle Sachbearbeitung bewerbe, sind das auch nur 293€ netto "weniger" im Monat. (EG13 S4 gegen EG11 S4). Das ist schon verlockend, wenn ich dafür wieder im Schlabberpulli zur Arbeit kann statt jeden Tag Hemd und Krawatte tragen zu müssen.

Individuelle Geschichte, auch abhängig davon, ob du weitere berufliche Entwicklung planst oder da bleiben willst.
Gerade die untere Führungsebene finde ich mega uninteressant als dauerhafte Beschäftigung. Alle 3 Tage den Schlabberpulli in die Wäsche geben ist sicher auch billiger, als Hemd und Anzug regelmäßig zu reinigen ;-)

Aber wesentlicher finde ich die Sandwich-Position auf dieser Ebene oder den trotz Führungsverantwortung recht überschaubaren tatsächlichen Gestaltungsraum. Je nachdem auch weniger Möglichkeiten, zu Hause zu arbeiten und in einigen Bereichen bereits mit Schnittchen-Terminen außerhalb der üblichen Bürozeiten verbunden.

Kann alles natürlich Spaß machen, wenn man der Typ dafür ist. Kann genauso aber auch nerven und die 293 Euro im Vergleich zum Sachbearbeiter nicht wert sein. Als Sachbearbeiter würde ich nur dann eine erstmalige Führungsaufgabe übernehmen, wenn sich daraus ein realistischer Karriereweg über mindestens 3 VergGr innerhalb von 6 Jahren ergibt.
Gegen Hetze im Netz.
Wer allein die Herkunft als Maßstab für den Wert eines Menschen hält, mißachtet das Grundgesetz.

Saggse

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3603 am: 18.10.2022 16:51 »
Jahresbrutto E13, 6 = 76.227,39 €
Jahresbrutto E12, 6 = 75.924,64 €

Differenz = 302,75 €
d.h pro Monat 302,75/12 = 25,23 €


Danke Verdi!!!
Reduzierung zu Gunsten der unteren Stufen. Wie auch bei E9
Es lebe die Partei.
Da kann man froh sein, dass die "soziale Komponente" bei den zweistelligen Entgeltgruppen regelmäßig keine Wirkung entfaltet und hier entsprechend niedrig prozentual erhöht wird, sonst wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis man in 'ner EG12 beim Jahresbrutto irgendwann mal mehr rauskriegt als in EG13... ;-)

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3604 am: 18.10.2022 17:25 »
Keine Ahnung, ob das von der Eingruppierung einwandfrei ist, aber früher hatten wir in der Kreisverwaltung fast nur Beamte als Fachbereichsleitung mit regelmäßig A13. Nunmehr auch Beschäftigte es Öfteren. Und da war halt immer E12 Schluss für die "Verwaltungs" Beschäftigten. Nunmehr werden aber die größeren Fachbereiche mit mehr als 50 Untergebenen mit A14 besoldet und in E13 eingruppiert bei Beschäftigten.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3605 am: 18.10.2022 17:32 »

Da kann man froh sein, dass die "soziale Komponente" bei den zweistelligen Entgeltgruppen regelmäßig keine Wirkung entfaltet und hier entsprechend niedrig prozentual erhöht wird, sonst wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis man in 'ner EG12 beim Jahresbrutto irgendwann mal mehr rauskriegt als in EG13... ;-)
Was anhand der TM für die jeweilige EG allerdings (so meine bescheidene Meinung) allerdings richtig wäre

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3606 am: 18.10.2022 17:45 »
Sehe ich im allg. Teil ebenso. Ich denke, darauf stellst Du ab, denn danach ist ja die Masse der Beschäftigten eingruppiert. Ansonsten kommt gleich wieder der Verweis auf den einen Ingenieur und die beiden IT-Ler, bei denen es ja genau anders ist.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3607 am: 18.10.2022 17:55 »
Sehe ich im allg. Teil ebenso. Ich denke, darauf stellst Du ab, ...
Ja, so ist es gemeint. Zu Ehrenrettung: vor 2-3 Jahren erschien mir der Unterschiedsbetrag EG 12 vs. 13 auch viel zu gering. Daher, wenn auch OT: Man muss sich auch als "normaler" TB, als Personalrat erst recht, einfach mal mit den TM und unbestimmten Rechtsbegriffen der EGO auseinandersetzen, da erscheint dann doch so manches in einem anderen Licht (positiv wie negativ allerdings...)

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3608 am: 18.10.2022 18:23 »
Wie es auch immer erscheint, es wird durch die sachlich nicht zu begründende Stufen 2 bis 5 sowieso konterkariert.  :)

Matti101

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3609 am: 18.10.2022 19:37 »
Bei den ganzen Diskussionen über den TVÖD sind auch die psychosozialen Wirkungszusammenhänge von großer Bedeutung. Wenn die Beschäftigten über einen mickrigen Tarifabschluss enttäuscht sind, wird sich das auch in der individuellen Motivation niederschlagen, z. B. weniger Engagement bei der Arbeit, Gleichgültigkeit, qualitätive und quantitiative Einschränkungen, womöglich mehr und längere Krankschreibungen u. a. Das Ganze noch bei 19 Grad Raumtemperatur und Arbeitsüberlastung, da offene Stellen mangels Bewerber nicht besetzt werden können.

Schokobon

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3610 am: 18.10.2022 20:36 »
Also alles wie jetzt schon.

Klins Kauski

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3611 am: 18.10.2022 22:49 »
Bei den ganzen Diskussionen über den TVÖD sind auch die psychosozialen Wirkungszusammenhänge von großer Bedeutung. Wenn die Beschäftigten über einen mickrigen Tarifabschluss enttäuscht sind, wird sich das auch in der individuellen Motivation niederschlagen, z. B. weniger Engagement bei der Arbeit, Gleichgültigkeit, qualitätive und quantitiative Einschränkungen, womöglich mehr und längere Krankschreibungen u. a. Das Ganze noch bei 19 Grad Raumtemperatur und Arbeitsüberlastung, da offene Stellen mangels Bewerber nicht besetzt werden können.

Sehe ich ähnlich. Dazu noch die Nachwirkungen der letzten Corona-Jahre, diverse Skandälchen der Entscheider und Höhergestellten in der Landes- und Bundespolitik und schon denkt sich der eine oder andere „ihr könnt mich mal…“

Kryne

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3612 am: 19.10.2022 07:13 »
In der Chemie ist das Ergebnis da:
6,5% in zwei Stufen.
3,25% zum 1.1.2023
3,25% zum 1.1.2024
+
3000€ Netto Einmalzahlung in zwei Stufen jeweils 2023 und 2024

Laufzeit 20 Monate zum 30.06.2024

Leider eine absolute Frechheit.

Wobei man hier halt ehrlich sein muss, dass viele Firmen in dieser Branche gerade riesige Probleme haben, da sie sehr energieintensiv sind.

Noch dazu ist das eine Branche die zumindest in großen Teilen mittelfristig komplett den Rückzug aus Deutschland antreten könnte und zum Teil bei dieser Energiepolitik auch zwangsweise antreten wird.

Da wir ja unsere Büros nur noch auf 19 Grad heizen sind wir ja im ÖD nicht wirklich energieintensiv unterwegs.

Und die Gefahr, dass die Rathäuser ins Ausland umziehen, sehe ich aktuell auch (noch) nicht wirklich. Auch wenn in so mancher Personaler Klitsche vermutlich die Korken knallen würden, wenn man die Verwaltung komplett in ein indisches Callcenter auslagern könnte.

Britta2

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3613 am: 19.10.2022 07:27 »
Bei den ganzen Diskussionen über den TVÖD sind auch die psychosozialen Wirkungszusammenhänge von großer Bedeutung. Wenn die Beschäftigten über einen mickrigen Tarifabschluss enttäuscht sind, wird sich das auch in der individuellen Motivation niederschlagen, z. B. weniger Engagement bei der Arbeit, Gleichgültigkeit, qualitätive und quantitiative Einschränkungen, womöglich mehr und längere Krankschreibungen u. a. Das Ganze noch bei 19 Grad Raumtemperatur und Arbeitsüberlastung, da offene Stellen mangels Bewerber nicht besetzt werden können.

LMAA oder innere Kündigung genannt. Dann wird vom Arbeitgeber ein Gesundheitskurs zur Tiefenentspannung bei Stress angeboten ...

Die Frechheit am Abschluss in der Chemie (als unsere Vorgabe ab Januar!) ist - dass Scholz einst allen Unternehmen die Inflationszahlung "bis 3.000 Euro" nahe legte - aber diese prompt als Teil von TARIFVERHANDLUNGEN rechnerisch übernommen wird.  Milchmädchenrechnung --- wenn Harzer leere Bierflaschen ind Parks und aus Mülltonnen suchen - zieht die Arge denen auch sofort die natürlich zu meldenden Beträge wieder vom Auszahlbetrag ab? Nichts ist undenkbar in diesem Lande.

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3614 am: 19.10.2022 07:48 »
--- wenn Harzer leere Bierflaschen ind Parks und aus Mülltonnen suchen - zieht die Arge denen auch sofort die natürlich zu meldenden Beträge wieder vom Auszahlbetrag ab?

Wenn der Hartzer gewisse Beträge meldet, wird seine Leistung gekürzt.