Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 489243 times)

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4215 am: 22.11.2022 17:40 »
Das Direktionsrecht kann auch getanzt werden. Es geht darum, wer beim Arbeitgeber dazu befugt ist.

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4,170
  • Karma: +383/-944
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4216 am: 22.11.2022 17:41 »
Das war nicht singulär auf Dich gemünzt, sondern auf die allg. eher negative Attitüde gegenüber der inhaltlichen Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber als dessen gesetzlich festgeschriebene Prärogative.

Hab ich auch nicht so verstanden. Ich finde es eigentlich ganz normal, dass wer die Musik bezahlt auch die Lieder aussucht.

Man geht ja auch nicht in einen Elektronikmarkt, wirft Geld auf den Boden und lässt sich überraschen, ob man dafür eine Waschmaschine oder ein Bügeleisen bekommt.

armerknecht

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 231
  • Karma: +56/-452
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4217 am: 22.11.2022 18:15 »
Zitat
Nach dem Willen der Gewerkschaften solle es mindestens 500 Euro mehr geben, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/beamtenbund-verteidigt-forderung-nach-mehr-lohn-im-oeffentlichen-dienst-a-86a43a7a-5039-462b-ad0b-5843eae94748

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4218 am: 22.11.2022 19:07 »
....motiviert von der gestrigen Forumsdiskussion habe ich mich heute mit dem Personalamt und dem Personalrat in Verbindung gesetzt - mit folgendem unwidersprüchlichen Ergebnis:

Meine Sprachmittlertätigkeiten unterliegen nicht dem Direktionsrecht, weil diese eingruppierungsrelevant sind, insbesondere handelt es sich dabei um Spezialkenntnisse, die für sich genommen eine höhere Einstufung rechtfertigen würden - aus diesem Grund werden diese über einen zusätzlichen Honorarvertrag abgegolten (stundengenaue Abrechnung je nach Aufwand).

Mir persönlich geht es in diesem Forum jedoch nicht um rechtliche Auseinandersetzungen, insofern ist mir das Direktionsrecht, Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit AU und Kinderpflege u. a. völlig egal. Es geht mir um die tatsächlichen Möglichkeiten, mit denen sich jeder einzelne Beschäftigte gegen geringe Lohnsteigerungen, die sogar hinter der Inflation zurückbleiben, wehren kann. Vordergründig sehe ich hier die Personalknappheit im öD. In der Folge ist jeder Landrat, Bürgermeister, Amtsleiter usw. dankbar, wenn Sachgebiete noch auf einem Mindestmaß arbeitsfähig sind. Das stärkt die individuelle (Macht-)Position der anwesenden Mitarbeiter und diese sollten sie so gut es geht nutzen, um Druck von unten aufzubauen, z. B. mit Blick auf Tarifsteigerungen, Zulagen, Eingruppierungen.

Im Sozial- und Erziehungsdienst haben das die Beschäftigten mit folgendem Grundtenor geschafft "....wenn unsere Arbeit nicht wertgeschätzt wird, sind wir nicht mehr bereit, die Kinder in den Einrichtungen adäquat zu betreuen...." Ergebnis: Zulagen, Regenerationstage u. a.

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4,170
  • Karma: +383/-944
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4219 am: 22.11.2022 19:10 »
Meine Sprachmittlertätigkeiten unterliegen nicht dem Direktionsrecht, weil diese eingruppierungsrelevant sind, insbesondere handelt es sich dabei um Spezialkenntnisse, die für sich genommen eine höhere Einstufung rechtfertigen würden - aus diesem Grund werden diese über einen zusätzlichen Honorarvertrag abgegolten (stundengenaue Abrechnung je nach Aufwand).

Na da wurden dir aber unvollständige Informationen gegeben. Wenn diese Tätigkeit z.B. nur 10 % deiner gesamten Tätigkeiten ausmachen würde, wäre sie in der Regel nicht eingruppierungsrelevant und somit vom Direktionsrecht gedeckt.

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4220 am: 22.11.2022 19:15 »
Es ist vor allem ein falsches Ergebnis. Maßgeblich für die Reichweite des Direktionsrechts ist nicht, ob irgendeine Teiltätigkeit eine andere Wertigkeit hat, sondern ob sich die Eingruppierung insgesamt ändert. Eingruppierungsrelevant ist die Tätigkeitsänderung dann, wenn sie zur Eingruppierung in eine andere Entgeltgruppe führt. Sofern korrekt wiedergegeben, sind die Ausführungen höchst mangelhaft.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4221 am: 22.11.2022 19:24 »
Meine Sprachmittlertätigkeiten unterliegen nicht dem Direktionsrecht, weil diese eingruppierungsrelevant sind, insbesondere handelt es sich dabei um Spezialkenntnisse, die für sich genommen eine höhere Einstufung rechtfertigen würden - aus diesem Grund werden diese über einen zusätzlichen Honorarvertrag abgegolten (stundengenaue Abrechnung je nach Aufwand).

Na da wurden dir aber unvollständige Informationen gegeben. Wenn diese Tätigkeit z.B. nur 10 % deiner gesamten Tätigkeiten ausmachen würde, wäre sie in der Regel nicht eingruppierungsrelevant und somit vom Direktionsrecht gedeckt.

...es sind mehr als 10 Prozent.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4222 am: 22.11.2022 19:31 »
Es ist vor allem ein falsches Ergebnis. Maßgeblich für die Reichweite des Direktionsrechts ist nicht, ob irgendeine Teiltätigkeit eine andere Wertigkeit hat, sondern ob sich die Eingruppierung insgesamt ändert. Eingruppierungsrelevant ist die Tätigkeitsänderung dann, wenn sie zur Eingruppierung in eine andere Entgeltgruppe führt. Sofern korrekt wiedergegeben, sind die Ausführungen höchst mangelhaft.

...massgeblich für die Reichweite des Direktionsrechts ist nicht die Rechtsprechung des BAG, sondern vor allem ob und wie dies umsetzbar ist.

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4223 am: 22.11.2022 19:35 »
Nein. Das wären möglicherweise Hindernisse bei der Ausübung des Direktionsrechts, aber für die Reichweite des Direktionsrechts ist es völlig irrelevant, ob und wie es umgesetzt werden könnte.

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4,170
  • Karma: +383/-944
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4224 am: 22.11.2022 19:46 »
Meine Sprachmittlertätigkeiten unterliegen nicht dem Direktionsrecht, weil diese eingruppierungsrelevant sind, insbesondere handelt es sich dabei um Spezialkenntnisse, die für sich genommen eine höhere Einstufung rechtfertigen würden - aus diesem Grund werden diese über einen zusätzlichen Honorarvertrag abgegolten (stundengenaue Abrechnung je nach Aufwand).

Na da wurden dir aber unvollständige Informationen gegeben. Wenn diese Tätigkeit z.B. nur 10 % deiner gesamten Tätigkeiten ausmachen würde, wäre sie in der Regel nicht eingruppierungsrelevant und somit vom Direktionsrecht gedeckt.

...es sind mehr als 10 Prozent.

Es war auch nur ein Beispiel, wonach diese Tätigkeiten nicht eingrupppierungsrelevant wären. sie könnten auch zu 45 % übertragen werden und wären immernoch nicht eingruppierungsrelevant.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4225 am: 22.11.2022 19:47 »
....vielleicht wird meine Herangehensweise mit folgendem Beispiel deutlich, welches mir meine Partnerin aus ihrer Schule berichtet hat: Dort ist wegen Personalknappheit der Chemieunterricht nicht abgesichert. Die Schulleiterin hat den Physiklehrer beauftragt, vertretungsweise einige Stunden Chemie zu unterrichten. Dieser hat das strikt abgelehnt, macht er nicht und das hatte auch keine Konsequenzen. Die Schulleiterin war quasi "Schach Matt". Wäre sie arbeitsrechtlich gegen den Physiklehrer vorgegangen (die Möglichkeit hätte sie gehabt), hätte dieser womöglich auf seine Weise das Weite gesucht oder wäre umgesetzt oder ganz gekündigt worden. In der Folge hätte die Schulleiterin auch Einbußen im Physikunterricht hinnehmen müssen.

....und das ist der Punkt, dahingehend will ich sensibilisieren. Lasst Eucht nicht alles gefallen.

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4,170
  • Karma: +383/-944
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4226 am: 22.11.2022 19:49 »
....vielleicht wird meine Herangehensweise mit folgendem Beispiel deutlich, welches mir meine Partnerin aus ihrer Schule berichtet hat: Dort ist wegen Personalknappheit der Chemieunterricht nicht abgesichert. Die Schulleiterin hat den Physiklehrer beauftragt, vertretungsweise einige Stunden Chemie zu unterrichten. Dieser hat das strikt abgelehnt, macht er nicht und das hatte auch keine Konsequenzen. Die Schulleiterin war quasi "Schach Matt". Wäre sie arbeitsrechtlich gegen den Physiklehrer vorgegangen (die Möglichkeit hätte sie gehabt), hätte dieser womöglich auf seine Weise das Weite gesucht oder wäre umgesetzt oder ganz gekündigt worden. In der Folge hätte die Schulleiterin auch Einbußen im Physikunterricht hinnehmen müssen.

....und das ist der Punkt, dahingehend will ich sensibilisieren. Lasst Eucht nicht alles gefallen.

Sind aber zwei paar Schuhe. Direktionsrecht ist eine Sache, ob der Mitarbeiter das mit sich machen lässt und ansonsten kündigt ist die andere Sache.

WasDennNun

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 9,469
  • Karma: +621/-5455
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4227 am: 22.11.2022 19:55 »
Es ist vor allem ein falsches Ergebnis. Maßgeblich für die Reichweite des Direktionsrechts ist nicht, ob irgendeine Teiltätigkeit eine andere Wertigkeit hat, sondern ob sich die Eingruppierung insgesamt ändert. Eingruppierungsrelevant ist die Tätigkeitsänderung dann, wenn sie zur Eingruppierung in eine andere Entgeltgruppe führt. Sofern korrekt wiedergegeben, sind die Ausführungen höchst mangelhaft.
Aber es gibt doch auch Grenzen was die auszuübenden Tätigkeiten angeht, oder.
Also 20% der Zeit Kloaken entleeren anweisen für eine Sachgebietsleiter mag ja nicht EG relevant sein, wäre das dann vom Direktionsrecht gedeckt?

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4228 am: 22.11.2022 19:58 »
Und ob ein Arbeitgeber es mit sich machen lässt, ist immer noch eine andere Frage, die auch völlig losgelöst von realen Personalproblemen sein kann. Ich denke, dass bspw. Spid einen sich unbotmäßigen Mitarbeiter vor die Tür gesetzt oder zur Eigenkündigung motiviert hätte, selbst wenn er seinen Kaffee hätte selber holen müssen. Und das aus gutem Grund: das Arbeitsverhältnis ist ausgehandelt und geschlossen. Wenn der Arbeitnehmer das Direktionsrecht des Arbeitgebers begrenzen wollte, hätte er das bei Vertragsschluss tun können. Ist er hinterher unzufrieden, steht es ihm frei zu gehen. Arbeitsverhältnisse sind Rechtsverhältnisse, in denen Arbeit gegen Geld getauscht wird. Wer braucht Arbeitnehmer, die nicht im gesetzten rechtlichen Rahmen Arbeit gegen Geld tauschen möchten?

Es ist vor allem ein falsches Ergebnis. Maßgeblich für die Reichweite des Direktionsrechts ist nicht, ob irgendeine Teiltätigkeit eine andere Wertigkeit hat, sondern ob sich die Eingruppierung insgesamt ändert. Eingruppierungsrelevant ist die Tätigkeitsänderung dann, wenn sie zur Eingruppierung in eine andere Entgeltgruppe führt. Sofern korrekt wiedergegeben, sind die Ausführungen höchst mangelhaft.
Aber es gibt doch auch Grenzen was die auszuübenden Tätigkeiten angeht, oder.
Also 20% der Zeit Kloaken entleeren anweisen für eine Sachgebietsleiter mag ja nicht EG relevant sein, wäre das dann vom Direktionsrecht gedeckt?

Die Aussage, dass etwas nicht gegen höherrangiges Recht verstoßen dürfte, ist doch ein ziemlich banaler Allgemeinplatz. Ein einmaliger Auftragsmord wäre wohl nicht eingruppierungsrelevant, aber dennoch nicht vom Direktionsrecht des Arbeitgebers gedeckt. Auch objektiv unmögliche Dinge wie ohne Wind um zwei Ecken in ein Probenglas pinkeln (oder tschechisch übersetzen, wenn man kein tschechisch kann) oder unzumutbare Dinge, wie das Trinken der so bewerkstelligten Urinprobe sind es nicht.

Und es mag auch weitere Unzumutbarkeiten geben. Das bedingt jedoch eine Betrachtung des jeweiligen Einzelfalls.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4229 am: 22.11.2022 19:58 »
....vielleicht wird meine Herangehensweise mit folgendem Beispiel deutlich, welches mir meine Partnerin aus ihrer Schule berichtet hat: Dort ist wegen Personalknappheit der Chemieunterricht nicht abgesichert. Die Schulleiterin hat den Physiklehrer beauftragt, vertretungsweise einige Stunden Chemie zu unterrichten. Dieser hat das strikt abgelehnt, macht er nicht und das hatte auch keine Konsequenzen. Die Schulleiterin war quasi "Schach Matt". Wäre sie arbeitsrechtlich gegen den Physiklehrer vorgegangen (die Möglichkeit hätte sie gehabt), hätte dieser womöglich auf seine Weise das Weite gesucht oder wäre umgesetzt oder ganz gekündigt worden. In der Folge hätte die Schulleiterin auch Einbußen im Physikunterricht hinnehmen müssen.

....und das ist der Punkt, dahingehend will ich sensibilisieren. Lasst Eucht nicht alles gefallen.

Sind aber zwei paar Schuhe. Direktionsrecht ist eine Sache, ob der Mitarbeiter das mit sich machen lässt und ansonsten kündigt ist die andere Sache.

...formaljuristisch mag das schon korrekt sein. Aber was nützen Rechte und Pflichten, wenn diese quasi in vielen Bereichen nicht umsetzbar sind, insbesondere weil akuter Fachkräftemangel besteht.  Der Physiklehrer weiß genau, dass er nahezu unersetzbar ist. Auch in in meiner Position bin ich mir dessen völlig bewusst. Und ich möchte dazu motivieren, dass möglichst eine breite Masse der Beschäftigten sich ihre Stellung bewusst macht und somit Druck von unten aufbaut.