Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 236941 times)

heike2106

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1860 am: 23.08.2022 11:53 »

Was wäre denn die Alternative?


Gibt es vermutlich nicht, sonst hätte schon mal irgendwer bessere Ideen gehabt.
Aber privat vorsorgen kann eben auch nicht jeder. Nicht in dem Ausmaß.
Man kann ETFs ab 25 € monatlich besparen, dass ist bei den meisten noch drin. x30 Jahre bringt das schon was. Aber wer weiß wie hoch in 30 Jahren die Kosten fürs Wohnen sind, etc. Damit kommt man dann auch nicht so weit.
Oder was diese Sorgen mit den Menschen machen...

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1861 am: 23.08.2022 11:54 »
Den jungen Leuten wird gesagt, ihr müsst in am besten 42 Stunden Wochen bis mindestens 70 arbeiten. Die Beiträge zur Rente müssen wir erhöhen, denn es gibt zu viele Boomer und die Rente für diese ist sonst nicht finanzierbar. Ihr bekommt auch mal Rente... vielleicht... aber mit einem sehr viel niedrigeren Rentenniveau als heute, dazu wird eure Rente selbstverständlich voll versteuert.

Tja, sieht scheiße für euch aus. Sorgt halt zusätzlich privat vor und seht selbst wo ihr bleibt. Bitteschön.

Was wäre denn die Alternative?

viele Alternativen gibt es nicht. Die Demographie spricht da ein eindeutiges Wort.

Aber ein paar mögliche Ansatzpunkte um die negativen Einflüsse des demographischen Wandels abzufedern:
- Einbeziehen von Beamten etc in die gesetzliche Rentenverischerung.
- Abschaffung, bzw. deutliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze bei der Einzahlung. Wohlbemerkt nur bei der Einzahlung. Was spätere Rentenansprüche angeht, blieben diese bei der derzeit gültigen Beitragsbemessungsgrenze bestehen.

Ich glaube, dass man durch diese beiden Maßnahmen einen signifikanten Teil des derzeitigen Finanzierungsdefizites der Rentenkasse schließen könnte.

Dass es schwierig umzusetzen ist, weiß ich selbst. Aber das ist immerhin besser als den Dachdecker bis 75 Jahre in ner 42 Stunden Woche bei reduzierten Rentenerhöhungen arbeiten zu lassen...
Die Einbeziehung von weiteren Personenkreisen in die GRV bedeutet doch auch, dass mehr Personen Rentenansprüche erwerben. Welchen Sinn sollte das haben?

Und was wäre jetzt "besser" daran, Personenkreisen Geld abzuknöpfen, ohne dass diese einen Gegenwert bekämen?

heike2106

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1862 am: 23.08.2022 11:59 »
Die Einbeziehung von weiteren Personenkreisen in die GRV bedeutet doch auch, dass mehr Personen Rentenansprüche erwerben. Welchen Sinn sollte das haben?

Und was wäre jetzt "besser" daran, Personenkreisen Geld abzuknöpfen, ohne dass diese einen Gegenwert bekämen?


Es wäre nur eine kurzfristige Entlastung, die den jetzigen Rentnern zu Gute kommt. Bei den nächsten Wahlen kann man wieder schöne Geschenke machen für diese wachsende Wählerschaft. Die Zeche zahlen auch die nachfolgenden Generationen, die auch diese Renten mitfinanzieren müssen.

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1863 am: 23.08.2022 12:01 »
Was mich an solchen ellenlangen Texten "ich habe es geschafft, ich habe Geld, ich habe gekauft, wer es nicht auch so gemacht hat darf nicht klagen weil selbst Schuld ..." nervt ist --- dass jeder von sich selbst redet und das als einzig geltenden Maßstab ansetzt. JEDE Biografie ist anders. Nicht jeder ist faul, kaufsüchtig oder geizig, nicht jeder kam aus solchen Verhältnissen wo Erbschaft und Spnsoring drin war und nicht jeder hockt in hohen Sesseln und bekommt den Kaffee serviert - nicht weil blöd oder unfähig sondern infolge diverser Etappen in der Biografie, die man sich eben NICHT aussuchen konnte. Ich mag diese zu oft verkündete Arroganz nicht.
Neulich meinte hier ein Kollege "also ich brauche keine Lohnerhöhung oder Tarifforderung, ich habe genug und mir gehts bestens, also habe ICH alles immer richtig gemacht". Vermutlich gibt es niemanden, der das nicht auch vo sich sagen möchte - aber eben nicht kann. Und niemand weiß, was in 2023 sein wird und danach. Besser und billiger aber wird es definitiv nicht. Und irgendwann sind ALLE alt - und dann plötzlich auf den Boden der tatsachen aufschlagen und die Schuld für plötzliche Probleme bei sonstwem suchen - ist der falsche Weg. Hochmut kommt vor dem Fall.

Das kann dich gerne stören, bringt aber niemanden weiter. Als ich noch in der Bank gearbeitet habe, hatten wir genügend Kunden, die über das Geld gejammert hatten und nicht mit ihren Einnahmen klar kamen. Ich erinnere mich an eine Kundin (langjährigre stadtbekannter Hartz4-Adel), die am 25. eines Monats mit Zigarette in der Hand, frisch gemachten Nägeln und frisch gefärbten Haaren an den Schalter kam und sich beschwerte, dass aus dem Automaten kein Geld mehr rauskommt. Anmerkung: Ihr Konto war überzogen und Sozialleistungen waren noch nicht da. Ihre Aussage dann: Soll ich meinen Kindern den Kalk von den Wänden kratzen, damit die was zum essen haben?

Das Problem war ihr eigenes Konsumverhalten, das sie auf andere abwälzen wollte, indem sie ihre Kinder vorschickt und ein schlechtes Gewissen macht. Was soll da die Allgemeinheit machen? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und wenn ich mich nicht kümmer, wird es eben Mist.

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1864 am: 23.08.2022 12:06 »
Die Einbeziehung von weiteren Personenkreisen in die GRV bedeutet doch auch, dass mehr Personen Rentenansprüche erwerben. Welchen Sinn sollte das haben?

Bis da eine volle Koohorte durchs Berufsleben und in den Rentenbezug gewandert ist, hat man mehr Einzahler als Leistungsbezieher gewonnen. Beispiel: Wenn man von jetzt an alle Neu-Beamten, die noch >30 Jahre Dienstzeit vor sich haben, zur Versicherung in der GRV zwangsverpflichtet anstatt Pensions-Ansprüche aufzubauen, dann hat man die nächsten 30 Jahre Einzahler gewonnen, während die Anzahl der Rentenbezieher in dieser Zeit (durtch diese Maßnahme) nicht signifikant ansteigt. Man hat also das Problem in die Zukunft verschoben.

(Ob dergleichen sinnvoll ist und sich mit erträglichen Zahlungen die verfassungsgemäße Versorgungssicherheit darüber garantierten lässst, ist eine andere Frage. Aber die hattest du ja nicht gestellt.)

Zitat
Und was wäre jetzt "besser" daran, Personenkreisen Geld abzuknöpfen, ohne dass diese einen Gegenwert bekämen?

Naja, sozialer Frieden ist durchaus ein Gegenwert. Man kann auch die Zahlungen aus den Sozialversicherungen progressiv gestalten, um dem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken. Man kann natürlich auch der Meinung sein, dass dafür das progressive Steuersystem der bessere Hebel wäre. Dann muss man aber natürlich auch Versicherungsleistungen -- etwa in der Rentenversicherung -- durch Steuermittel finanzieren.

Es ist etwa z.B. nicht klar, warum Einkommen aus Arbeitstätigkeit mit einem höheren Steuersatz belegt wird als solches aus bereits vorhandenem Vermögen (aka Kapitalertragssteuer). Oder anders herum: Warum fällt der Steuersatz auf letzteres geringer aus als auf ersteres? Aber auch das ist wieder eine andere Debatte...

heike2106

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1865 am: 23.08.2022 12:10 »
Das kann dich gerne stören, bringt aber niemanden weiter. Als ich noch in der Bank gearbeitet habe, hatten wir genügend Kunden, die über das Geld gejammert hatten und nicht mit ihren Einnahmen klar kamen. Ich erinnere mich an eine Kundin (langjährigre stadtbekannter Hartz4-Adel), die am 25. eines Monats mit Zigarette in der Hand, frisch gemachten Nägeln und frisch gefärbten Haaren an den Schalter kam und sich beschwerte, dass aus dem Automaten kein Geld mehr rauskommt. Anmerkung: Ihr Konto war überzogen und Sozialleistungen waren noch nicht da. Ihre Aussage dann: Soll ich meinen Kindern den Kalk von den Wänden kratzen, damit die was zum essen haben?

Das Problem war ihr eigenes Konsumverhalten, das sie auf andere abwälzen wollte, indem sie ihre Kinder vorschickt und ein schlechtes Gewissen macht. Was soll da die Allgemeinheit machen? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und wenn ich mich nicht kümmer, wird es eben Mist.

Ein Grund, warum finanzielle Bildung als Pflichtfach an jede Schule gehört, wenn man als Staat private Vorsorge von den Leuten erwartet und voraussetzt.
Aber der Umgang mit Geld nach gesunden Menschenverstand, wird auch nicht in jeder Familie vermittelt. Dann gibt es Millionen Desinteressierte und Leute, denen das Thema zu kompliziert ist, die sich von irgendwelchen Beratern abzocken lassen.

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1866 am: 23.08.2022 12:15 »
Ein Grund, warum finanzielle Bildung als Pflichtfach an jede Schule gehört, wenn man als Staat private Vorsorge von den Leuten erwartet und voraussetzt.

Ich vermute, deiner Meinung nach braucht es auch Kochkurse, Kurse zur Wohnungseinrichtung, zur Gartenpflege, fürs Heimwerken, zur Kindererziehung, ... in den Schulen als Pflichtrfächer, weil manche es nicht auf die Reihe kriegen, sich das selbständig anzueignen?

Dann hast du ein falsches Verständnis von Schule. Das ist keine Black Box, wo man morgens Kinder reinkippt und nach 9 bis 12 Jahren funktionierende Menschen herausfallen. Schule kann einen Beitrag dazu leisten, ja. Sogar einen wesentlichen. Das entbindet aber weder die Eltern von ihrem Erziehungsauftrag noch die jungen Menschen davon, selbständig und auch selbständig aktiv zu werden.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1867 am: 23.08.2022 12:18 »
Die Einbeziehung von weiteren Personenkreisen in die GRV bedeutet doch auch, dass mehr Personen Rentenansprüche erwerben. Welchen Sinn sollte das haben?

Bis da eine volle Koohorte durchs Berufsleben und in den Rentenbezug gewandert ist, hat man mehr Einzahler als Leistungsbezieher gewonnen. Beispiel: Wenn man von jetzt an alle Neu-Beamten, die noch >30 Jahre Dienstzeit vor sich haben, zur Versicherung in der GRV zwangsverpflichtet anstatt Pensions-Ansprüche aufzubauen, dann hat man die nächsten 30 Jahre Einzahler gewonnen, während die Anzahl der Rentenbezieher in dieser Zeit (durtch diese Maßnahme) nicht signifikant ansteigt. Man hat also das Problem in die Zukunft verschoben.

(Ob dergleichen sinnvoll ist und sich mit erträglichen Zahlungen die verfassungsgemäße Versorgungssicherheit darüber garantierten lässst, ist eine andere Frage. Aber die hattest du ja nicht gestellt.)

Also eine Verlagerung des Problems in eine nicht allzu ferne Zukunft.

Zitat
Zitat
Und was wäre jetzt "besser" daran, Personenkreisen Geld abzuknöpfen, ohne dass diese einen Gegenwert bekämen?

Naja, sozialer Frieden ist durchaus ein Gegenwert. Man kann auch die Zahlungen aus den Sozialversicherungen progressiv gestalten, um dem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken. Man kann natürlich auch der Meinung sein, dass dafür das progressive Steuersystem der bessere Hebel wäre. Dann muss man aber natürlich auch Versicherungsleistungen -- etwa in der Rentenversicherung -- durch Steuermittel finanzieren.

Es ist etwa z.B. nicht klar, warum Einkommen aus Arbeitstätigkeit mit einem höheren Steuersatz belegt wird als solches aus bereits vorhandenem Vermögen (aka Kapitalertragssteuer). Oder anders herum: Warum fällt der Steuersatz auf letzteres geringer aus als auf ersteres? Aber auch das ist wieder eine andere Debatte...

Und sozialer Frieden wird also dadurch erreicht, dass man anderen etwas wegnimmt? Dann würde ja der soziale Frieden ja auch dadurch erreicht werden, dass man allen ihre Rentenansprüche streicht (also: wegnimmt). Und das Problem mit der Rentenversicherung wäre doch dann auch gelöst...

Und steht einer einkommensprogressiven Ausgestaltung der Beiträge ohne Verhältnis zu Ansprüchen aus diesen nicht die Rechtsprechung des BVerfG entgegen?

yamato

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1868 am: 23.08.2022 12:29 »

Bis da eine volle Koohorte durchs Berufsleben und in den Rentenbezug gewandert ist, hat man mehr Einzahler als Leistungsbezieher gewonnen. Beispiel: Wenn man von jetzt an alle Neu-Beamten, die noch >30 Jahre Dienstzeit vor sich haben, zur Versicherung in der GRV zwangsverpflichtet anstatt Pensions-Ansprüche aufzubauen, dann hat man die nächsten 30 Jahre Einzahler gewonnen, während die Anzahl der Rentenbezieher in dieser Zeit (durtch diese Maßnahme) nicht signifikant ansteigt. Man hat also das Problem in die Zukunft verschoben.


Da Beamte laut Bundesverfassungsgericht jetzt bereits unteralimentiert sind müsste der DIenstherr den Rentenbeitrag zu 100 % bezahlen bzw. die Bezüge der Beamten entsprechend erhöhen. ich glaub da wäre es sinnvoller die Dienstherrn würden diese Beträge direkt in die Rentenkasse überführen. Rentenbezug verträgt sich nicht wirklich mit den althergebrachten Regeln des Berufsbeamtentums. Hier vor allem dem Lebenszeitprinzip und dem Alimentatuionsprinzip.

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1869 am: 23.08.2022 12:30 »
Also eine Verlagerung des Problems in eine nicht allzu ferne Zukunft.

Jo, man hätte ein paar Jahrzehnte gewonnen, um andere Maßnahmen zu ergreifen, z.B. verstärkt um Zuwanderung zu werben...


Zitat
[
Und sozialer Frieden wird also dadurch erreicht, dass man anderen etwas wegnimmt?

Sozialer Frieden kann u.A. durch ein Entgegenwirken zur weiteren Ausdifferenzierung der Gesellschaft versucht werden zu sichern. Wenn man eine abgehobene Spitze vs. einem abgehängten Rest hat, dann hat eben jener nicht viel zu verlieren und kann schon mal eine Revolution anstellen. Das bekommt der Oberschicht meist nicht so gut. Also hat auch diese ein Interesse daran, dass es dazu nicht kommt...

Zitat
Dann würde ja der soziale Frieden ja auch dadurch erreicht werden, dass man allen ihre Rentenansprüche streicht (also: wegnimmt). Und das Problem mit der Rentenversicherung wäre doch dann auch gelöst...

Nö, denn das würde das genaue Gegenteil bewirken, da nun nur noch die Oberschicht die Möglichkeit der Absicherung des Ruhestands (aus eigenen Mitteln) hätte.

Zitat
Und steht einer einkommensprogressiven Ausgestaltung der Beiträge ohne Verhältnis zu Ansprüchen aus diesen nicht die Rechtsprechung des BVerfG entgegen?

Jaein. Zum Einen ist ja z.B. auch die gesetzliche Krankenversicherung (wenn man mal vom Anteil für das Krankengeld absieht) in ihren Beiträgen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) an die Lohnhöhe geknüpft, während die Gesundheitsversorgung für alle Beitragszahler hier gleich ist. Trotz unterschiedlicher Beiträge werden also die gleichen Leistungen bereitgestellt. Eine entsprechende Umsetzung auf die Rentenversicherung wäre zumindest aus meiner Sicht nicht undenkbar. (Wohl aber muss, mit Verweis auf die von dir angesprochene Rechtssprechung, der Spaß sich in einem begrenzten Rahmen abspielen.) Zum Anderen deutete ich eine Lösung, die Besserverdienende stärker heranzieht, via Steuerzuschuss ins Rentensystem schon an. Dann braucht man keine progressiv steigenden Beitragssätze, sondern hätte dies schon über das Steuersystem abgebildet.

heike2106

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« Antwort #1870 am: 23.08.2022 12:32 »
Ein Grund, warum finanzielle Bildung als Pflichtfach an jede Schule gehört, wenn man als Staat private Vorsorge von den Leuten erwartet und voraussetzt.

Ich vermute, deiner Meinung nach braucht es auch Kochkurse, Kurse zur Wohnungseinrichtung, zur Gartenpflege, fürs Heimwerken, zur Kindererziehung, ... in den Schulen als Pflichtrfächer, weil manche es nicht auf die Reihe kriegen, sich das selbständig anzueignen?

Dann hast du ein falsches Verständnis von Schule. Das ist keine Black Box, wo man morgens Kinder reinkippt und nach 9 bis 12 Jahren funktionierende Menschen herausfallen. Schule kann einen Beitrag dazu leisten, ja. Sogar einen wesentlichen. Das entbindet aber weder die Eltern von ihrem Erziehungsauftrag noch die jungen Menschen davon, selbständig und auch selbständig aktiv zu werden.


Es ist auch einfach eigentlich gar nicht gewollt, das die Leute sparen.
Wir sollen konsumieren was das Zeug hält und die Wirtschaft florieren lassen.  Gott bewahre, dass sich die Menschen soweit einschränken, um was fürs Alter zurücklegen zu können.

Der Staat erwartet aber auch nicht, das jeder kochen kann und in die Kindererziehung mischt er sich auch nicht ein. Finanzen, Sparprodukte, Versicherungen, Aktienmarkt sind nun mal kompliziert (und wird auch bewusst kompliziert dargestellt) und schreckt zu viele Menschen ab, um sich damit zu beschäftigen.

cyrix42

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« Antwort #1871 am: 23.08.2022 12:33 »
Rentenbezug verträgt sich nicht wirklich mit den althergebrachten Regeln des Berufsbeamtentums. Hier vor allem dem Lebenszeitprinzip und dem Alimentatuionsprinzip.

Das erscheint mir eher Wunschdenken zu sein, da auch bisher schon für alle Beamte, die mindestens 5 Jahre rentenrechtliche Zeiten zusammen bekommen haben, Rente und Pension nebeneinander existieren. Wenn man nun das Gewicht von meinetwegen 90% Pension + 10 Rente zu 90% Rente und 10% Pension verschiebt, gibt es da per se erst einmal keine Schwierigkeiten mit den von dir genannten Prinzipien.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1872 am: 23.08.2022 12:45 »

Der Staat erwartet aber auch nicht, das jeder kochen kann und in die Kindererziehung mischt er sich auch nicht ein. Finanzen, Sparprodukte, Versicherungen, Aktienmarkt sind nun mal kompliziert (und wird auch bewusst kompliziert dargestellt) und schreckt zu viele Menschen ab, um sich damit zu beschäftigen.
Bis aufs "Kochen" ist das gröbster Unfug

JesuisSVA

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« Antwort #1873 am: 23.08.2022 12:45 »
Also eine Verlagerung des Problems in eine nicht allzu ferne Zukunft.

Jo, man hätte ein paar Jahrzehnte gewonnen, um andere Maßnahmen zu ergreifen, z.B. verstärkt um Zuwanderung zu werben...

Du meinst also im Vergleich zu den Jahrzehnten, die man bereits hatte und in denen man ach so wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen hat?


Zitat
Und sozialer Frieden wird also dadurch erreicht, dass man anderen etwas wegnimmt?

Sozialer Frieden kann u.A. durch ein Entgegenwirken zur weiteren Ausdifferenzierung der Gesellschaft versucht werden zu sichern. Wenn man eine abgehobene Spitze vs. einem abgehängten Rest hat, dann hat eben jener nicht viel zu verlieren und kann schon mal eine Revolution anstellen. Das bekommt der Oberschicht meist nicht so gut. Also hat auch diese ein Interesse daran, dass es dazu nicht kommt...
Gegen eine ausdifferenzierte Gesellschaft ist überhaupt nichts einzuwenden. Ausdifferenzierte Gesellschaften sind ein Gewinn moderner Gesellschaften. Ich sehe nicht, dass das behauptete oben-vs.-unten-Szenario auch nur zu befürchten wäre, geschweige denn, dass es wahrscheinlich wäre. Und selbst dann, könnten entsprechende Eliten mit ihren Mitteln durchaus ihrerseits einen coup d'état ansteuern, eben weil sie etwas zu verlieren haben. Dies ist übrigens historisch gesehen nicht nur das häufigere, sondern auch das erfolgreichere Szenario.

Zitat
Dann würde ja der soziale Frieden ja auch dadurch erreicht werden, dass man allen ihre Rentenansprüche streicht (also: wegnimmt). Und das Problem mit der Rentenversicherung wäre doch dann auch gelöst...

Nö, denn das würde das genaue Gegenteil bewirken, da nun nur noch die Oberschicht die Möglichkeit der Absicherung des Ruhestands (aus eigenen Mitteln) hätte.
Warum sollte das der Fall sein? Und ich dachte, wegnehmen wäre der neue soziale Frieden?

Zitat
Und steht einer einkommensprogressiven Ausgestaltung der Beiträge ohne Verhältnis zu Ansprüchen aus diesen nicht die Rechtsprechung des BVerfG entgegen?

Jaein. Zum Einen ist ja z.B. auch die gesetzliche Krankenversicherung (wenn man mal vom Anteil für das Krankengeld absieht) in ihren Beiträgen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) an die Lohnhöhe geknüpft, während die Gesundheitsversorgung für alle Beitragszahler hier gleich ist. Trotz unterschiedlicher Beiträge werden also die gleichen Leistungen bereitgestellt. Eine entsprechende Umsetzung auf die Rentenversicherung wäre zumindest aus meiner Sicht nicht undenkbar. (Wohl aber muss, mit Verweis auf die von dir angesprochene Rechtssprechung, der Spaß sich in einem begrenzten Rahmen abspielen.) Zum Anderen deutete ich eine Lösung, die Besserverdienende stärker heranzieht, via Steuerzuschuss ins Rentensystem schon an. Dann braucht man keine progressiv steigenden Beitragssätze, sondern hätte dies schon über das Steuersystem abgebildet.

Die progressive Ausgestaltung der Krankenkassenbeiträge begründet sich (leidlich schlecht) aus der unterschiedlichen Höhe des Krankengeldanspruchs. Wenn Du einen einheitlichen Beitrag zur Krankenversicherung und eine Externalisierung des Krankengeldanspruches befürwortetest, hättest Du meine Unterstützung. Im Falle der GRV hat das BVErfG aber doch geurteilt, dass Beiträge entsprechende Leistungsansprüche gegenüberstehen müssen. Steuerfinanzierte Zuschüsse waren eben gerade nicht Bestandteil der Ausführungen der Nutzerin, deren Aussagen ich in Frage stellte. Aber auch das ist doch Unfug. Das System ist offensichtlich krank, warum also noch immer mehr und mehr Geld hineinpumpen? Vom Ruhrbergbau haben wir uns ja schließlich auch irgendwann verabschiedet.

MalZu

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1874 am: 23.08.2022 13:00 »
Das Wort  die  MITTE  ist der Streitpunkt.
Klar wird immer zugesichert, endlich mal gezielt die MITTE  (diejenigen, die eigentlich alles finanzieren!) zu entlasten. Genau das aber wird sofort wieder zum Schweigen gebracht und gezielt gefordert "gefälligst nur die Armen, die ohne Job ..." und steuerlich entlastet werden die, die weit über der Mitte stehen. Die MITTE bleibt die blöde Schicht. Also wir. Weil irgendwie die Lobby fehlt. Die Mitte braucht doch kein H4 und lebt doch eh ganz gut ...(und hat einen sicheren Job!)
Das Bürgergeld ( ehemals Hartz IV ) soll 2023 deutlich erhöht werden.
Alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst unter E 4 werden ab 2023 weniger im Geldbeutel haben, d.h. wer unter E 4 arbeitet sollte sich dem Bürgergeld anvertrauen.., wissen wenige bisher!
Kein morgens Aufstehen, kein Stress mit Vorgesetzten.., einfach ausschlafen ..bringt mehr in die Geldbörse..
Man muss sich vorstellen.., der Mann/die Frau bei der Müllabfuhr..., räumen denen den Dreck weg und haben am Ende des Monats weniger wie der/die die Nixtun...
Das Aussetzen von Sanktionen für Arbeitsunwillige ist unfassbar ungerecht..
Schnappatmung!

Quatsch...
--> https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-l/west?id=tv-l-2023&matrix=1

Quatsch? E4, Verheiratet, 2 Kinder kommt mit Kindergeld auf ca. 2500€ Netto.
Was hat die Hartzi Familie? 2.200-2.300€? + Anspruch auf Tafel, GEZ Befreiung usw.

Hier: Eltern: 853
Kind (bis 6 J): 285
Kind (bis 13): 331
Kind bis 25 : 376

zuzüglich Warmmiete und Strom.
In einer Großstadt können die angemessenen Wohnungskosten bis gegen 1300 Euro gehen!
jetz kann gerechnet werden, welche Transferleistung an ein familie mit drei Kinden geht. Zuzüglich Leistungen geltwerten Vorteils! Wie Keine KITA Gebühren und und !
Um es vorweg zu nehmen: Ich bin nicht neidisch!!